Der Milliardär Frank Stronach will ins Parlament – mit Angriffen auf Kanzlerin Merkel und Südeuropäer


Frank Stronach

Frank Stronach (Photo credit: Wikipedia)

Neben Österreichs Populisten ist Sarrazin ein Bube

Der Milliardär Frank Stronach will ins Parlament – mit Angriffen auf Kanzlerin Merkel und Südeuropäer

Deutsch: Cover des Buches Deutschland schafft ...

Deutsch: Cover des Buches Deutschland schafft sich ab von Thilo Sarrazin. (Photo credit: Wikipedia)

Seit dem Tod des Rechtspopulisten Jörg Haider, dem Gründer der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ, FP) sowie später dem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ, BZ) und HC Strache war Schluß mit schrillen Tönen, die aus der Politik Österreichs nach Deutschland drangen. Doch mit dieser wohltuenden Stille scheint nun Schluß zu sein.

Auf den Rechtspopulisten folgt der Europopulist: Frank Stronach, mit seinem Autozulieferer-Konzern Magna in Kanada vom Hungerleider zum Milliardär aufgestiegen, will die Politik in seiner alten Heimat aufmischen.

Deutsch: Thilo Sarrazin am 3. Juli 2009

Deutsch: Thilo Sarrazin am 3. Juli 2009 (Photo credit: Wikipedia)

Vor wenigen Tagen stellte er seine neue Partei Team Stronach vor.

Und Sandra Maischberger gab dem Mann, dessen Partei sich laut einer Umfrage schon jetzt 40 Prozent der Österreicher in der Regierung wünschen, am Dienstagabend als Erste einen Platz im deutschen Fernsehen.

Jörg Haider, Landeshauptmann von Kärnten / Gov...

Jörg Haider, Landeshauptmann von Kärnten / Governor of Carinthia, Pressefoto / Press Photo Sep. 2007 (Photo credit: Wikipedia)

Kurz gefaßt: Neben Stronach wirkte der mit in der Runde sitzende Thilo Sarrazin wie ein zurückhaltender, jedes Wort wägender Schulbub.

Politiker Jörg Haider, Fasching (=Karneval) Fe...

Politiker Jörg Haider, Fasching (=Karneval) Februar 2006 in Velden, Kärnten, Österreich (Photo credit: Wikipedia)

Stronach treibt in Österreich die Quoten

Frank Stronach, reicher Austro-Kanadier und mit 80 Jahren Newcomer der Politik in Österreich:

„Der Staat treibt nicht die Wirtschaft. Was die Wirtschaft treibt sind drei Kräfte: Kluge Manager, fleißige Arbeiter und Investoren.“

Ernst Jünger in between David Lloyd George and...

Ernst Jünger in between David Lloyd George and Adolf Hitler (4th September 1936, Berghof near Berchtesgarden) (Photo credit: quapan)

Oskar Lafontaine, Fraktionschef der Linken im Saarland:

„Frau Merkel hat nach meiner Auffassung die Ursache der Krise nicht erkannt, also kann sie auch nicht die Lösung haben.“

Frau Merkel und Herr Justin

Frau Merkel und Herr Justin (Photo credit: astirn)

„Euroland ist abgebrannt – Comeback der Nationen?“, nannte Maischberger ihre Sendung. Es sollte also ein weiterer Unteraspekt der Eurokrise durchgekaut werden. Mit am Tisch:

  • Ex-Linkenchef Oskar Lafontaine (SED – PDS – DIE LINKE),
  • der Europaabgeordneter Jorgo Chatzimarkakis (FDP),
  • die Europaabgeordnete Franziska Brantner (Grüne),
  • Ex-Bundesbank Vorstand und Berlins Ex-Senator Thilo Sarrazin und
  • Milliardär und Politiknovize Frank Stronach.
Belinda Stronach

Belinda Stronach (Photo credit: Wikipedia)

Dem 80jährigen ist mit fast jedem Satz anzumerken, daß er den größten Teil seiner Lebenszeit außerhalb Österreichs verbracht hat. Doch in seiner Heimat scheinen sie ihn zu lieben, obwohl viele seiner Sätze grammatikalisch Kauderwelsch sind.

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (Photo credit: Ρilgrim)

„Ich habe die Welt wollen sehen, komme aus einer Arbeiterfamilie“, begründete Frank Stronach etwa bei Sandra Maischberger, warum er als junger Mann nach Kanada auswanderte.

Seine Geschichte mit dem Aufstieg vom Tellerwäscher zum Milliardär fasziniert in Österreich.

Als Stronach Sonntagabend an einer Talkshow des ORF teilnahm, bescherte das dem Sender eine Traumquote von 28 Prozent.

Ein 2. Lichtermeer für Jörg Haider

Ein 2. Lichtermeer für Jörg Haider (Photo credit: gholzer)

Lafontaine attackiert mit Wirtschaftstheorie

Stronachs Thema ist die Wirtschaft und die Kritik am Euro. Sein bei Maischberger vorgetragenes Credo:

„Das größte Problem mit den meisten Leuten ist, sie machen alles so kompliziert. Ich versuche, alles zu vereinfachen.“

Seine Zielscheibe: Die Politiker als solche.

„Die meisten können nicht einmal einen Chrysler-Laden führen“, spottete Stronach.

Seine Lösung: Der Staat darf keine Schulden machen. „Du kannst nichts verteilen, wenn du nicht erst einmal was erwirtschaftest.“

Das klingt plausibel und einleuchtend.

Helmut Schmidt und Sandra Maischberger

Helmut Schmidt und Sandra Maischberger (Photo credit: Hubert Burda Media)

Und wenn in Deutschland nicht jede Partei ihren Anteil am Schuldenberg hätte, würde vielleicht auch mancher deutsche Politiker häufiger diesen Satz sagen. So aber gab als Erster Lafontaine Stronach Kontra.

„Betriebswirtschaftlich ist das alles richtig, was sie erzählen. Volkswirtschaftlich ist es falsch“, sagte der Chef der Linken-Fraktion im Saarland.

Oskar Lafontaine in Köln

Oskar Lafontaine in Köln (Photo credit: santoslilhelper)

Und dann verwies der ehemalige jüdische Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine, der mit der Jüdin Sarah Wagenknecht von der Kommunistischen Plattform verheiratet ist, wie so häufig in der Vergangenheit auf die Lehren seines bevorzugten Ökonomen John Maynard Keynes. Dieser wollte, daß der Staat in schlechten Zeiten Schulden macht und so die Wirtschaft ankurbelt – in guten Zeiten aber dann spart. Das Sparen sei immer wieder vergessen worden, räumte Oskar Lafontaine in einem Nebensatz ein.

Aber genau damit war Versuch Nummer 1 gescheitert, Frank Stronach argumentativ auszubremsen. Also machte der weiter.

Drei Kräfte würden die Wirtschaft treiben.

  • „Kluge Manager, fleißige Arbeiter und Investoren.“
  • Der Staat dagegen habe nichts damit zu tun.
  • Und was die Europäische Union an Strukturen aufgebaut habe, sei sogar wider die Natur des Menschen.
_MG_9894-Thilo Sarrazin

_MG_9894-Thilo Sarrazin (Photo credit: oparazzi photos)

Auf diese Art vermischte Stronach immer stärker seine Meinung zum Euro und zur EU mit seiner Einschätzung von Menschen und Nationen. Daß das mit dem Euro nicht funktioniere liege daran, daß die EU-Staaten nicht zusammen passen. Im Süden die Agrarländer seien arm gewesen, im Westen die Industrieländer reich.

Damit argumentierte Frank Stronach ganz ähnlich wie Thilo Sarrazin in seinem Euro-Buch, in dem dieser den Einfluß des Wetters auf die Wirtschaftsleistung der EU-Staaten beschrieb.

Doch Thilo Sarrazin ahnte wohl, daß er schlecht beraten gewesen wäre, Frank Stronach allzu forsch zur Seite zu springen. Jedenfalls ging er nur selten auf diesen ein.

Arcoiris doble

Arcoiris doble (Photo credit: purolipan)

Maischberger zieht die Brauen hoch

Im Lauf der Sendung zog auch Sandra Maischberger, die Frank Stronach noch freundlich präsentiert hatte, die Augenbrauen bei dessen Ausführungen hoch. Etwa, als Frank Stronach auch irgendwann auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kam. Schon bei der Vorstellung seiner Partei hatte er sie attackiert und gesagt:

„Entweder ist Merkel  so dumm oder Angela alias IM ERIKA von der Stasi spielt bei den Banken mit.“

Nun versuchte Frank Stronach den Zuschauern einzureden, daß Angela Merkel – geboren mit dem Judenfamiliennamen Kasner, dem Erfinder von Gogol aka Google des Juden Sergei Brin – mit ihrer Politik den Ruf der Deutschen in Europa geschwächt habe.

„Die Deutschen sind verhaßt“, sagte Frank Stronach zum Ansehen in Südeuropa.

Und schließlich wählte Frank Stronach ein Bild aus dem Volksmund, weshalb doch die Finanzhilfen in Europa ein Ende haben müssen. Wenn bei Bauern einem Bauern durch ein Unwetter die Ernte zerstört werde, sei es selbstverständlich, daß der verschonte benachbarte Bauer ihm helfe.

„Wenn alles normal läuft und ein Bauer ist immer im Wirtshaus, dem hilft man net“, sagte Stronach.

Frank-Walter Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier (Photo credit: Medienmagazin pro)

Für FDP-Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis, der griechische Wurzeln hat, klingelten da die Alarmglocken. „Wenn Sie mit solchen Thesen kommen, das macht mir Angst“, sagte der Liberale Jorgo Chatzimarkakis. Doch zugleich prophezeite Jorgo Chatzimarkakis: „Sehr viele Leute werden Sie wählen.“

Kaum auszudenken, wie die Auswirkungen auf die deutsche Politik sind, wenn Frank Stronach im Wahlkampf für die ungefähr parallel zur Bundestagswahl stattfindenden Nationalratswahl in den Umfragen wie eine Rakete abgehen sollte.

Vor allem die CSU schaut genau auf die politische Stimmung bei den unmittelbaren bayerischen Nachbarn und nimmt diese in ihr eigenes Handeln auf. In Ansätzen zeigte die Runde bei Sandra Maischberger aber auch, daß Frank Stronach auch beigekommen werden kann.

Denn nur bei leichten Nachfragen aus der Runde mußte Frank Stronach schon zugeben, daß er für die Probleme der Eurozone kein Konzept zur Lösung hat.

Fred SINOWATZ

Fred SINOWATZ (Photo credit: [sic!]ut.at)

Und als Frank Stronach sich zum Retter der Arbeiter aufspielte und sagte, diese hätten ein Recht „auf einen Teil des Profits“, brachte ihn die Europaabgeordnete Franziska Brantner (Grüne) ganz aus dem Konzept. „Aber Betriebsräte gab es bei Ihnen nie“, erinnerte ihn die Europaabgeordnete Franziska Brantner (Grüne) an seine Unternehmenspolitik bei Magna. Der kleine Einwand reichte schon, um ihn in Rage zu bringen.

„Betriebsräte wollen nur Politik machen“, fuhr er die Europaabgeordnete Franziska Brantner (Grüne) da an.

Olivia "Linken" Hiorth and her daughters

Olivia „Linken“ Hiorth and her daughters (Photo credit: Fylkesarkivet i Sogn og Fjordane)

Mit ein bißchen mehr Schärfe und präzisen Nachfragen Sandra Maischbergers nach seinen konkreten Vorhaben wäre der 80jährige Newcomer der österreichischen Politik sicher noch wesentlich häufiger zu verunsichern gewesen. Aber die Gelegenheit dazu wird wieder kommen…

… Frank Stronach hat der Ehrgeiz gepackt, aus Österreich die Welt zu verändern und wird sicher jetzt häufiger in deutschen Talkshows Gast werden.

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