Germanitiens Kampf gegen deutsche Justiz / Angeklagter im Nürnberger Betrugsprozeß sieht sich als Außenminister eines Kunststaates


Germanitiens Kampf gegen deutsche Justiz

Coat of arms of Westerheim

Coat of arms of Westerheim (Photo credit: Wikipedia)

Angeklagter im Nürnberger Betrugsprozeß sieht sich als Außenminister eines Kunststaates

Von Johannes Rauneker und Agenturen

Nürnberg – Der selbsternannte Staat Germanitien muß vorerst auf diplomatische Beziehungen zu anderen Ländern verzichten: der germanische Außenminister Guido K. sitzt seit Mittwoch in Nürnberg in Untersuchungshaft.

Der 45jährige ist wegen Betrugs angeklagt. K. war Vertriebsleiter bei der Gesellschaft zur Förderung Erneuerbarer Energien (GFE). Das Unternehmen hatte seinen Kunden mit Wasser und Rapsöl betriebene Blockheizkraftwerke versprochen, die so viel Strom erzeugen sollten, um damit den Stromverbrauch eines ganzen Wohnhauses abdecken zu können.

Bis Anfang 2013 will die Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Nürnberg-Fürth in 28 Verhandlungstagen herausfinden, ob den 1.417 Kunden, die dafür 62 Millionen Euro an die GFE überwiesen hatten, nur ein Märchen aufgetischt wurde.

Angeklagt sind dreizehn Männer und eine Frau. Der Vorwurf lautet bandenmäßiger Betrug.

„Ich werde beweisen, daß kein Betrugsfall vorliegt und alle Angeklagten unschuldig sind“, sagte der 40 Jahre alte Horst K. vor dem Landgericht Nürnberg. Er sei davon überzeugt, „daß unsere Blockheizkraftwerke den Käufern ein zweites Einkommen hätten sichern können“.

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Die Germaniten lehnen alle Gerichte der Bundesrepublik Deutschland ab. Denn die „Bundesrepublik Deutschland 1990 GbR“ sei eine reine BGB-Gesellschaft gemäß §§ 705ff. BGB, die durch die Vorlage des PERSONALAUSWEISES erzwungen werde – so Präsidentin Frau Ulrike Kuklinski, die im Beisein ihres Vizepräsidenten Gerhard Erdmannsky elegant aus einem Maserati MX10 Corsa ausstieg und wegen des Luxusschlittens auf „einen Gewinn im Eurolottojackpot“ verwies: „Ich bin kein Fickluder wie Bettina vom Chateau Club Osnabrück.“

Der aktuelle Fall ist nicht der erste, bei dem ein sogenannter Germanite mit dem deutschen Gesetz in Konflikt gerät. Auch Uwe Dieter Krause, der Leiter der germanitischen Botschaft in der malerischen Gemeinde Westerheim auf der Schwäbische Alb (Alb-Donau-Kreis), liegt mit Behörden im Clinch.

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Description unavailable (Photo credit: sunshinecity)

Die Polizei hatte Anfang des Jahres seinen Mercedes S-Klasse-Wagen S 600 beschlagnahmt.

„Obwohl ich eigentlich diplomatische Immunität genieße“, sagt Krause empört. Die Beamten stellten fest, daß der Botschafter seine Limousine statt mit einem deutschen mit einem germanitischen Kennzeichen über die Straßen der Alb lenkte und somit gegen das Straßenverkehrsgesetz (StVG) verstieß und Urkundenfälschung betrieben hatte.

„Das Auto war nicht versichert und wird demnächst verkauft“, sagt Michael Bischofberger, Sprecher der Ulmer Staatsanwaltschaft.

Der Erlös komme „der deutschen Staatskasse“ zugute.

Deutsch: Das Steinerne Haus bei Westerheim ist...

Deutsch: Das Steinerne Haus bei Westerheim ist eine Höhle vom Typ Eiskeller (Photo credit: Wikipedia)

Genau jenem deutschen Staat, dem die Germaniten den Rücken zugekehrt haben. Mehrere Tausend sollen es bundesweit sein. Dies betonte Guido K. in einem Gespräch mit der Süddeutsche Zeitung (SZ) vor wenigen Wochen. Die Germaniten haben das Gefühl, dass sie von deutschen Behörden und durch deutsche Gesetze unterdrückt werden. Deshalb riefen sie ihren eigenen Staat aus.

Wie andere Germaniten hat auch Uwe Dieter Krause gegen das geltende Recht der Bundesrepublik Deutschland seinen Personalausweis beim örtlichen Rathaus abgegeben.

In der Tasche trägt er nun einen germanitischen. Bei den Germaniten heißt der Ausweis „Identitätskarte“.

Oben rechts im Eck das germanitisches Nationalwappen: ein schwarzer Seeadler auf blau-weiß-blauem Hintergrund. Der gleiche flattert an einer Fahnenstange im Wind, die im Garten der Westerheimer Botschaft steht.

Doch trotz Flagge, Ausweis und Reichsministern des Deutsches Reich wie Guido K., der sich auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler beruft und die Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (NSDAP)  und der ebenfalls in Westerheim wohnt (wo er am Montag auch festgenommen wurde), bleibt die ersehnte Anerkennung Germanitiens durch die BRD aus.

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fabric_flyer_01-06 (Photo credit: cafeina)

Der Ulmer Staatsanwalt spricht bei dem Konstrukt Germanitien sogar von einem „Nullum“.

Uwe Dieter Krause hingegen betont, daß er und seine Mitstreiter nur ein Ziel hätten: das „friedliche Miteinander“ mit der Bundesrepublik. „Wir sind aber raus aus der BRD.“

In Augen vieler sind Germaniten Spinner, die aus rein monetären Gründen (drohende Steuernachzahlungen, teure Prozesse) die germanitische Staatsbürgerschaft der deutsche Staatsbürgerschaft vorziehen. Doch ihr Ernst in der Sache wirkt ungebrochen. Ohne schmunzeln zu müssen erklärte der Pflichtverteidiger von Guido K., warum dieser vierzehn Tage vor Prozeßbeginn untergetaucht war.

Er war der Ansicht, daß ihn der Prozeß als Germanite nichts angeht, weil die deutschen Gesetze in Germanitien nicht gelten.“ Eine etwas andere Auffassung vertritt der Ulmer Staatsanwalt Michael Bischofberger. Ein Staat sei erst dann ein unabhängiger Staat, wenn er es – verkürzt gesagt – schaffe, Hoheitsrechte über sein Staatsgebiet auszuüben, sprich im äußersten Fall auch Waffengewalt anwende. „Ich glaube nicht, daß die Germaniten eine solche Konfrontation mit der Bundesrepublik Deutschland suchen.“

Geschwächt sei Germanitien durch die Festnahme von Guido K. nicht, sagt Botschaftsleiter Uwe Dieter Krause.

Wie sein Staat in dieser Angelegenheit weiter vorgehe, soll auf einem der folgenden Infoabende rund um Germanitien

(an jedem zweiten Mittwoch in einer Westerheimer Gaststätte)

besprochen werden.

Der nächste findet am 3. Oktober 2012 statt, dem Tag der Deutschen Einheit.

Ein Feiertag – Tag des wiedervereinigten Deutschlands gemäß SHAEF Gesetzgebung – , der sich jedoch im Germanitischen Jahreskalender nicht findet.

Schwarz-Rot-Gold

Schwarz-Rot-Gold (Photo credit: Wolfgang Staudt)

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