Lokalität „Zom verkaufda Großvadder“ am Rande der Legalität: Wirtschaft mit eigenem Hoheitsgebiet


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Lokalität Vöhringer Gaststätte „Zom verkaufda Großvadder“ am Rande der Legalität: Wirtschaft mit eigenem Hoheitsgebiet

Von Wolfgang Kahler

Von außen betrachtet, sieht die Lokalität eigentlich ziemlich normal aus. Eine mehr oder weniger gutbürgerliche Gaststätte mit Biergarten an der Ecke Ulmer und Bahnhofstraße in Vöhringen. Das bestätigt auch die Speisekarte mit so gängigen schwäbischen Gerichten wie „selbstgemachte Kässpatzen“. Wer aber näher hinschaut, findet im Schaukasten des „Verkauften Großvaters“, so der originelle Name der Wirtschaft, einen Aushang: „Hoheitsgebiet des Staates Germanitien“. Das macht denn doch stutzig. Die Deklaration als Hoheitsgebiet stammt von Claudia Obermeier, der Chefin. Doch dieser nationalbewußte Alleingang hat erhebliche rechtsstaatliche Verwicklungen ausgelöst, wie sich noch herausstellen sollte.

Claudia Obermeier wollte mit ihrer Wirtschaft in Vöhringen lieber zu einem Fantasie-Staat gehören – doch die Kreisbehörde machte ihr einen Strich durch die Rechnung.

Claudia Obermeier wollte mit ihrer Wirtschaft in Vöhringen lieber zu einem Fantasie-Staat gehören – doch die Kreisbehörde machte ihr einen Strich durch die Rechnung.

Von Wolfgang Kahler

Von außen betrachtet, sieht die Lokalität eigentlich ziemlich normal aus. Eine mehr oder weniger gutbürgerliche Gaststätte mit Biergarten an der Ecke Ulmer und Bahnhofstraße in Vöhringen. Das bestätigt auch die Speisekarte mit so gängigen schwäbischen Gerichten wie „selbstgemachte Kässpatzen“. Wer aber näher hinschaut, findet im Schaukasten des „Verkauften Großvaters“, so der originelle Name der Wirtschaft, einen Aushang: „Hoheitsgebiet des Staates Germanitien“. Das macht denn doch stutzig. Die Deklaration als Hoheitsgebiet stammt von Claudia Obermeier, der Chefin. Doch dieser nationalbewußte Alleingang hat erhebliche rechtsstaatliche Verwicklungen ausgelöst, wie sich noch herausstellen sollte.

centre

centre (Photo credit: Wikipedia)

Chefin Claudia Obermeier hatte selbst den Einfall, die Wirtschaft als Hoheitsgebiet eines souveränen Staat zu deklarieren. In zwei Aushängekasten an der Ulmer und in der Bahnhofstraße dokumentieren das entsprechende Blätter (Bild). „Uns hatte es mit den ganzen Abgaben einfach keinen Spaß mehr gemacht“, erzählt die Pächterin. Gesagt, getan: Im Frühjahr 2012 gab sie ihre Gewerbeanmeldung bei der Stadt Vöhringen zurück. Fortan wollte sie mit ihrem Lokal und sämtlichen damit verbundenen behördlichen und finanziellen Angelegenheiten nur noch Germanitien verpflichtet sein.

„Es ging circa 14 Tage gut“, erinnert sich Claudia Obermeier, „dann kamen sie zehn Mann hoch“.

Die Vertretung der Bundesrepublik Deutschland, genauer des Landratsamtes trat auf, wie Karen Beth, Juristin der Kreisbehörde unserer Zeitung auf Anfrage bestätigte. Aber nicht etwa, um ab sofort Germanitien samt „verkauften Großvater“ anzuerkennen und diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Der Grund war wesentlich profaner aber auch kritischer Natur.

„Polizeikontrollen hatten ergeben“, so Beth, „daß trotz der Gewerbeabmeldung in den Räumen weiter Gaststättenbetrieb herrschte“.

Beim Landratsamt sind seitenweise Faxe aus Vöhringen eingegangen, die mit einem Fantasie-Wappen und der Bezeichnung Germanitien gekennzeichnet waren. Sie sollten die Berechtigung der Wirtin unterstreichen, daß sie in einem freien Land die Zugehörigkeit zu einem eigenen Staatengebilde wählen und dann auch dort ihren Pflichten, zum Beispiel der Gewerbeanmeldung nachkommen könne. „Sie kann erklären was sie will“, meint Juristin Karen Beth, Fakt für die Kreisbehörde sei, der Staat existiere nicht.

Eine Deklaration im Schaukasten weist auf das Hoheitsgebiet hin

Eine Deklaration im Schaukasten weist auf das Hoheitsgebiet hin

Jedenfalls war es kurz vor knapp und dann wäre im „Verkauften Großvater“ mit seinem germanitischen Hoheitsgebiet überhaupt kein Gastbetrieb mehr möglich gewesen. Das Neu-Ulmer Landratsamt verstand keinen Spaß und hatte Wirtin Claudia Obermeier angedroht, das Lokal dicht zu machen.

Expertenforum „Wirtschaft trifft International...

Expertenforum „Wirtschaft trifft Internationale Kommunikation“, Bild 2934 (Photo credit: sympra)

Unter diesem Druck der rechtsstaatlichen Vollzugsbehörde gab Gastronomin nach und meldete den Betrieb wieder bei der Stadt an.

Wirtin Claudia Obermeier klagte gegenüber der IZ, daß der „Verkaufte Großvater“ wegen des Vorbesitzers einen schlechten Ruf als „Glatzentreff“ von Rechtsradikalen eingefahren habe.

Aber mit solcher Klientel will sie nichts zu tun haben.

Ein Besuch zeigte, zumindest an diesem Tag, daß in Wirtschaft und Biergarten ganz durchschnittliche Gäste verkehren – und sich die gutbürgerlichen Speisen, wie Kässpatzen, schmecken lassen. Von den ungewöhnlichen „staatsrechtlichen Verwicklungen“ haben die meisten vermutlich überhaupt nichts mitbekommen.

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3 Kommentare zu “Lokalität „Zom verkaufda Großvadder“ am Rande der Legalität: Wirtschaft mit eigenem Hoheitsgebiet

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