Germaniten fühlen sich von Zeitung verunglimpft im Kreis Neu-Ulm


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Original image description from the Deutsche Fotothek: Deutsch: Ein Gruppe von Menschen gehen bei Dunkelheit eine Straße entlang anläßlich des Tags der Republik (Photo credit: Wikipedia)

Kreis Neu-Ulm – Nach der Berichterstattung über ihre Gruppe fordern die Germaniten 100.000 Euro Schadensersatz von der Illertisser Zeitung. Bei weiteren Nennungen soll der Betrag noch steigen.

Von Ronald Hinzpeter

Wahrscheinlich wird unserer Zeitung nach diesem Kommentar wieder eine horrende Schadenersatzforderung ins Haus flattern. Vergangene Woche berichteten wir zum ersten Mal über Germanitien, einen Fantasie-Staat. Doch für den Gebrauch dieses Wortes sollen wir Schadensersatz in Höhe von 100.000 Euro entrichten – und für jede weitere „Verunglimpfung des Staates Germanitien“ eine halbe Million. Mit unserer Berichterstattung seien alle Angehörigen Germanitiens geschädigt worden. Von Rufmord, Beleidigung und der erwähnten Verunglimpfung ist die Rede in einem Fax, das von einer ganzen Reihe von Leuten unterschrieben wurde. Dass die Illertisser Zeitung einmal solche diplomatischen Verwicklungen mit einem anderen Staat provozieren würde, hätten wir nie gedacht. Die Germaniten bezeichnen sich zwar als friedfertig, verstehen aber ansonsten keinen Spaß. Immerhin haben sie keine Armee. Das beruhigt uns dann doch.
Wahnhafte Verkennung der Wirklichkeit

Wir bleiben dabei: Germanitien ist kein Staat. Nur weil eine Gruppe von Menschen so etwas behauptet, tritt es noch nicht automatisch ein. Die Begründungen sind krude und wurden ebenso hingebogen, dass es irgendwie passt. In einem Urteil des Amtsgerichts Reutlingen heißt es, von den Germaniten würden „reale rechtliche, politische und historische Gegebenheiten aus dem Zusammenhang gerissen und zur Verfolgung eigener Zwecke unvollständig und somit verfälschend dargestellt, was zugleich schlimmstenfalls auf eine grobe wahnhafte Verkennung der Wirklichkeit hindeutet.“

Viele sind einfach nur Politikverdrossen

Nun könnte man locker das Gebilde „Germanitien“ als Hirngespinst von politischen Wirrköpfen abtun, doch es sollte auch zum Nachdenken anregen. Daraus spricht eine gewisse Staatsverdrossenheit, die in der Bundesrepublik leider immer mehr zu spüren ist. Eine offenbar wachsende Anzahl von Menschen fühlt sich von „denen da oben“ nicht mehr vertreten. Die Wahlbeteiligung, also das am deutlichsten sichtbare Zeichen politischer Teilhabe, sinkt.
Bedenken gegenüber den Germaniten sind angebracht

Ronald Hinzpeter, Leiter der Redaktion Illertissen.

Ronald Hinzpeter, Leiter der Redaktion Illertissen.

Bedenklich ist in diesem Fall durchaus, dass sich frustrierte Menschen einem solchen konstruierten „Staat“ anvertrauen. Noch dazu einem, der die Menschenrechte zwar demonstrativ hoch hängt, selber aber gerne die Klagekeule schwingt. Übrigens gehört auch die Pressefreiheit zu den Menschenrechten. Während der amerikanischen Revolution entstand 1776 die „Virginia Delaration of Rights“, die großen Einfluss auf die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 hatte. In ihr ist die Pressefreiheit als unveräußerliches Menschenrecht festgeschrieben.

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