Billiges Bier bald verboten? Sternburg droht hohes Bußgeld wegen Ostbier!


The gay governing mayor of Berlin, Klaus Wower...

Image via Wikipedia

Guerilla-Werbung für ein Billigbier: Eine Biermarke aus dem Oetkerkonzern macht sich über den Berliner Wahlkampf lustig. «Flaschen an die Macht», fordert die Sternburg-Brauerei auf Plakaten, die auf den ersten Blick aussehen wie Wahlplakate. Nun droht ein hohes Bußgeld.

Hunderte Wahlplakate säumen derzeit Berlins Straßen, Renate Künast oder Klaus Wowereit sind darauf zu sehen. Seit einigen Tagen stößt man auch auf ganz andere Plakate. «Es muss ein Schluck durch Deutschland gehen», steht da in großen Buchstaben auf rotem Grund oder «Sicher über die 5%», untermalt mit einer braunen Bierflasche und dem Slogan «Sternburg Bier – Die beste Wahl.» Moment mal. Bier-Reklame?

Vor allem die seriösen Politiker Berlins dürften sich auf den Schlips getreten fühlen. Sie versuchen sich mit ernstem Wahlkampf und werden nun von einer Werbekampagne hoch genommen. Sternburg-Chef Martin Zapf versucht dem Thema die Brisanz zu nehmen. «Wir haben uns lange Gedanken über die Kampagne gemacht, denn wir wollen nicht in ernsthaften Wettbewerb mit den politischen Botschaften treten. Uns geht es überhaupt nicht darum, den Wahlkampf zu stören oder politisch Stellung zu beziehen – denn natürlich nehmen wir den Wahlkampf sehr ernst. Wir haben uns nur ein bisschen augenzwinkernd in das Thema eingemischt », sagt Zapf.

Ein Wahlspruch, der perfekt zu Berlin passt - leere Kassen sind in der Hauptstadt etwas völlig normales. Aber leere Kühlschränke?

Ein Wahlspruch, der perfekt zu Berlin passt – leere Kassen sind in der Hauptstadt etwas völlig normales. Aber leere Kühlschränke?

Nicht nur für die Parteien, auch für die Berliner Ordnungsämter bedeutet die Kampagne Ärger. Denn die Werbung der Brauerei ist in dieser Form nicht legal, sagt Alexander Scharries vom Bezirksamt Berlin-Mitte. Er ist als Fachbereichsleiter Ordnung dafür zuständig, dass die Plakate wieder aus Berlins Straßen verschwinden. Mit illegalen Guerilla-Werbeaktionen kennt er sich aus. «Das haben wir in Berlin sehr viel: Plakate an Stromkästen, Häuserwänden oder Bauzäunen.»

Die Fünf-Prozent-Hürde hat das Exportbier aus Leipzig locker genommen: Mit genau 5,2 Prozent wird der Alkoholanteil angegeben.

Die Fünf-Prozent-Hürde hat das Exportbier aus Leipzig locker genommen: Mit genau 5,2 Prozent wird der Alkoholanteil angegeben.

Vor allem Studenten würden sich oft ein paar Euro dazu verdienen, in dem sie illegale Werbung für Unternehmen machen. Das Ordnungsamt ist gegen die Flut illegaler Plakatierer oft hilflos. «Jeder kann sich heute zu Hause oder in einem Copy-Shop selbst Plakate drucken», sagt Scharries.

Erkennen Sie den Unterschied der Sternburg-Kampagne zu anderen Wahlplakaten? Richtig, es ist die Ehrlichkeit durch die die Brauerei besticht.

Erkennen Sie den Unterschied der Sternburg-Kampagne zu anderen Wahlplakaten? Richtig, es ist die Ehrlichkeit durch die die Brauerei besticht.

Dabei ist die Gesetzeslage in Bezug auf Wahlplakate eindeutig: Sieben Wochen vor einer Wahl bis eine Woche danach dürfen zugelassene Parteien oder Kandidaten für sich werben. Ob wirklich nur Parteien Plakate kleben, die auch im Wahlverzeichnis registriert sind, überprüfen dann die Ordnungsämter und die Polizei. «Wenn wir feststellen, dass es sich bei den Werbeplakaten nicht um Parteien handelt, wird das unweigerlich zur Anzeige gebracht», sagt Scharries. Das droht nun auch Sternburg: Sollte tatsächlich eine Anzeige erstattet werden, käme auf die Brauerei eine Bußgeldzahlung von bis zu 10.000 Euro zu.

Eine Forderung, wie aus dem FDP-Programm, frei nach dem Motto: «Leistung muss sich wieder lohnen».

Eine Forderung, wie aus dem FDP-Programm, frei nach dem Motto: «Leistung muss sich wieder lohnen».

Das Bußgeld dürfte allerdings fest im Werbebudget eingeplant sein, schließlich können die Verantwortlichen der Brauerei und der zuständigen Werbeagentur Ogilvy & Mathers auch Gesetze lesen. Aber das möchte Martin Zapf nicht hören. «Von Bußgeldern weiß ich nichts. Wir sind sicher, dass die zuständige Behörde sich zunächst an uns wenden würde, aber bisher gab es keinerlei Negativreaktionen», sagt er. Man ist sich allerdings der heiklen Gesetzessituation bewusst. «Das ist eine außergewöhnliche Werbeform», sagt Zapf, «ganz einfach, weil die Werbung nicht in Bushaltestellen und offiziellen Plakatwänden hängt.» Genau das sei aber gewollt. «Die Berliner sind liberal und verstehen den Humor – deswegen fanden wir die Idee sehr charmant.»

Da soll mal einer sagen, Sterni-Trinker seien unpolitisch: Den Klimawandel zu stoppen, ist ein durchaus heroisches Ziel der Biertrinker.

Da soll mal einer sagen, Sterni-Trinker seien unpolitisch: Den Klimawandel zu stoppen, ist ein durchaus heroisches Ziel der Biertrinker.

Sternburg Export – besser bekannt als Sterni – ist in Ostdeutschland eine der bekanntesten Biermarken. Die Sternburg Brauerei gehört zur Radeberger-Gruppe, der Brauerei-Gruppe des Oetker-Konzerns. Lange galt Sterni als reines Billigbier, das auch ohne Werbung genügend Absatz findet, schlicht und einfach durch den unschlagbaren Preis – die Flasche Sternburg Export kostet im Schnitt nur etwa 40 Cent. Dem geringen Preis hat das Leipziger Bier allerdings auch einen zweifelhaften Ruf zu verdanken: Es gilt als Pennerbier.

Renate Künast in Kiel, Schleswig-Holstein, in 2009

Renate Künast in Kiel, Schleswig-Holstein, in 2009 (Photo credit: Wikipedia)

Von diesem Image wollen die Verantwortlichen offenbar weg. Im Mai wurde die Agentur Ogilvy & Mathers mit einer Werbekampagne beauftragt, erstmals in der Sternburg-Geschichte. Mit selbstironischen Sprüchen soll das Pennerbier zu einer Kultmarke werden. Seit Juli können Fans sich kostenlos Poster bestellen, auf denen «Sterni-Gegner» gezeigt werden: Polizisten, Schnösel oder Spießer. Der Berliner Wahlkampf ist nun der nächste Schritt der Kampagne. Das erste Ziel ist schon erreicht. «Uns geht es um Aufmerksamkeit», sagt Zapf, «und so ein kleines Lächeln kann im ernsten Wahlkampf doch auch nicht schaden, oder?»

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