Was sind „Polonier“ im Deutschen Reich? Hausbesetzer in polnisch und russisch verwalteten Gebieten gemäß SHAEF Gesetz Nr. 52 Artikel VII, Buchstabe e?


Masurian farmhouse in East Prussia, now Poland

Image via Wikipedia

Polnische Liste

Unter Polen (P) bzw. Polnische Liste sind unterschiedliche Wahlbündnisse aus mehreren polnischen Wählervereinigungen und Parteien, darunter der Polenpartei zu verstehen, die im Deutschen Reichstag von 1871 bis 1919 vertreten waren.

Bei den in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Polen handelt es sich mehrheitlich um deutsch-polnische Aussiedler, die zusammen mit den anderen polnischstämmigen Bevölkerungsgruppen etwa 1,9 % (Mikrozensus 2009; laut polnischen Quellen: 2,5 %) der Bevölkerung ausmachen.

IntelligenzIntelligenzDie Angabe einer tatsächlichen Zahl wird durch die Tatsache erschwert, dass ein Großteil der Aussiedler zwar in Polen geboren wurde, aber aufgrund seiner Deutschstämmigkeit in die Bundesrepublik kam.

Diese Personen gelten als Deutsche im Sinne des Artikels 116 Abs. 1 des Grundgesetzes und besitzen somit die deutsche Staatsbürgerschaft.

Polen in Deutschland: Minderheitenähnliche Rechte vereinbart

Die Polen in Deutschland sind keine anerkannte nationale Minderheit mit entsprechendem juristischem Status in Deutschland, das geben die Bedingungen der Ansiedlung in Deutschland nicht her. In Deutschland müssen bestimmte Kriterien für die Anerkennung als nationale Minderheit erfüllt sein:

  1. Die Angehörigen der betreffenden Minderheit sind deutsche Staatsbürger.
  2. Vom deutschen Mehrheitsvolk unterscheiden sie sich durch die eigene Sprache, Kultur und Geschichte.
  3. Die Angehörigen der Minderheit wollen die sich daraus ergebnde Identität bewahren.
  4. Die Angehörigen der Minderheit sind traditionell in Deutschland ansässig
  5. Die Angehörigen der Minderheit leben hier in angestammten Siedlungsgebieten,

Eine anerkannte polnische Minderheit gab es in Deutschland bis zu deren völliger Entrechtung am 7. September 1939. Alle Siedlungsgebiete dieser einstigen polnischen Minderheit gehören heute zum Staatsgebiet Polens.

In jüngster Vergangenheit war es zwischen Deutschland und Polen immer wieder zum Streit darüber gekommen, dass es in Polen zwar eine anerkannte und geschützte deutsche Minderheit gibt, der Polonia in Deutschland der Minderheitenstatus jedoch verweigert würde. Die deutsche Seite argumentierte dabei vor allem mit den Punkten 4 und 5 der obigen Liste und betrachtet die Polen nicht anders wie beispielsweise die türkische Gruppe in Deutschland als Migranten ohne festen, traditionellen Siedlungsraum. Minderheiten entstehen meist durch Grenzverschiebungen nach Kriegen oder durch politische Auseinandersetzungen wie die dänische Minderheit in Deutschland oder durch privilegierte Ansiedlung in geschlossenen Siedlungsräumen, wie die Donauschwaben oder Siebenbürger Sachsen. Das aber sei bei der Polonia nicht feststellbar lautete die deutsche Argumentation.

Nun ist man sich näher gekommen. Auch weiterhin wird es für die Polonia keinen Minderheitenstatus geben, doch wird es einige Vergünstigungen geben, so wurde es am Wochenende in einem Übereinkommen festgehalten, das Innenstaatssekretär Christoph Bergner und der polnische Staatssekretär Tomasz Siemoniak in Warschau unterzeichneten. Vertreter der Polonia und Bernard Gaida, der Vorsitzende der deutschen Minderheit in Polen stimmten zu. Der neue Vertrag  ist Resultat der deutsch-polnischen Gespräche am runden Tisch zwischen Vertretern der deutschen und polnischen Regierung, sowie Repräsentanten der deutschen Minderheit in Polen und der polnischen Volksgruppe in Deutschland.

Unter anderem wurde vereinbart, dass die die Bundesrepublik der Polonia ein Büro in Berlin, ein Museum und eine Internetseite finanzieren wird. Dazu soll es in Zukunft einfacher werden, in Deutschland polnisch zu lernen. Weiterhin verpflichtet sich die Bundesregierung dazu, einen Bevollmächtigten für die Anliegen der Polonia zu ernennen. Im Gegenzug hat sich Polen hat verpflichtet, die Verfolgung der Deutschstämmigen unter der kommunistischen Diktatur in Polen wissenschaftlich untersuchen zu lassen.

Identität und Bekenntnis zum Polentum sind aufgrund historischer Entwicklungen in der polnischsprachigen Bevölkerung unterschiedlich ausgeprägt.

Inschrift der Polnischen Arbeiterbank, Klosterstr. 2, Bochum

Inschrift der Polnischen Arbeiterbank, Klosterstr. 2, Bochum

Daraus resultiert die Existenz einer Vielzahl von Begriffen, wie

  • Polnischsprachige,
  • Personen polnischer Herkunft und
  • Polnischstämmige, welche diese Bevölkerungsgruppe beschreiben.

In dieser Großgruppe sind Personen mit vielfältigen Bindungen an die polnische Kultur vertreten, die sich selbst zum Beispiel auch als

2010 lebten dauerhaft in Deutschland 419.435 Menschen mit ausschließlich polnischer Staatsangehörigkeit.  Dies entspricht etwa 0,51 % der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik.

In Artikel 20 und 21 des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrages vom 17. Juni 1991 verpflichten sich beide Länder, die Rechte der in ihren Staatsgebieten ansässigen Personen der jeweils anderen Abstammung zu respektieren:

„Art. 20

(1) Die Angehörigen der deutschen Minderheit in der Republik Polen, das heißt Personen polnischer Staatsangehörigkeit, die deutscher Abstammung sind oder die sich zur deutschen Sprache, Kultur oder Tradition bekennen, sowie Personen deutscher Staatsangehörigkeit in der Bundesrepublik Deutschland, die polnischer Abstammung sind oder die sich zur polnischen Sprache, Kultur oder Tradition bekennen, haben das Recht, einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen Mitgliedern ihrer Gruppe ihre ethnische, kulturelle, sprachliche und religiöse Identität zum Ausdruck zu bringen, zu bewahren und weiterzuentwickeln, frei von jeglichen Versuchen, gegen ihren Willen assimiliert zu werden. Sie haben das Recht, ihre Menschenrechte und Grundfreiheiten ohne jegliche Diskriminierung und in voller Gleichheit vor dem Gesetz voll und wirksam auszuüben.
(2) Die Vertragsparteien verwirklichen die Rechte und Verpflichtungen des internationalen Standards für Minderheiten (…)

Art. 21

(1) Die Vertragsparteien werden die ethnische, kulturelle, sprachliche und religiöse Identität der in Artikel 20 Absatz 1 genannten Gruppen auf ihrem Hoheitsgebiet schützen und Bedingungen für die Förderung dieser Identität schaffen. (…)
(2) Die Vertragsparteien werden insbesondere
-im Rahmen der geltenden Gesetze einander Förderungsmaßnahmen zugunsten der Angehörigen der in Artikel 20 Absatz 1 genannten Gruppen oder ihrer Organisationen ermöglichen und erleichtern.“

Nach Ansicht der Bundesregierung kann den in Deutschland lebenden Polen deutscher Staatsangehörigkeit als zugewanderter Gruppe – im Gegensatz zur alteingesessenen autochthonen deutschen Minderheit in Polen – nach deutschem Recht und dem Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates vom 1. Februar 1995 nicht der Status einer nationalen Minderheit zuerkannt werden. Die Bundesregierung verweist darauf, dass die in Deutschland lebenden Polen auch im Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrag nicht als nationale Minderheit bezeichnet werden. Zudem stünden den deutschen Staatsbürgern polnischer Abstammung alle bürgerlichen und politischen Rechte zu und damit auch die Möglichkeit der Pflege der eigenen Kultur und Muttersprache.

Nach Meinung der Vertreter der polnischen Volksgruppe ignoriert die Bundesregierung dabei die Tatsache, dass die in Deutschland geborenen Nachkommen der polnischen Minderheit sowie die Nachkommen der Angehörigen der polnischen Minderheit in Deutschland, die nach deutschem Recht per Geburt als deutsche Staatsbürger in Polen geboren wurden, sich aber als Polen verstehen und in Deutschland leben. Aus Sicht der deutschen Regierungsbehörden sind alle aus Polen eingereisten Aussiedler ausschließlich deutsche Staatsbürger. Das entspricht aber nicht unbedingt der Realität, weil die meisten in den 60er, 70er und vor allem in den 80er Jahren nach Deutschland eingereisten Aussiedler, weiterhin polnische Staatsbürger geblieben sind, aber nach dem deutschen Recht auch den Anspruch auf deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Diesem Personenkreis gehören jedoch oft die Nachkommen der früheren polnischen Minderheit in Deutschland, die vor allem wegen der allgemein in diesem Zeitraum kritischen wirtschaftlichen und politischen Lage aus der damaligen Volksrepublik Polen nach Deutschland ausgewandert sind. Die Bundesrepublik hat diesen Zustand im Bundesvertriebenengesetz § 3 auch auf die Angehörigen der Nachkommen der ehemaligen deutschen Staatsbürger polnischer Kultur und auf deren Familienangehörigen unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit erweitert.

Nach Art. 116 GG nach deutschem Verfassungsrecht gilt jeder, der „die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat“, heute noch als „Deutscher“. „Damit ergibt sich nach deutscher Auffassung, daß die in den Oder-Neiße-Gebieten lebenden früheren deutschen Staatsbürger und ihre Nachkommen weiterhin die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Da nur die Staatsbürgerschaft und nicht ethnische Kriterien zugrunde gelegt wurden, sind also auch die mehr als eine Million Polen, die im Deutschen Reich in den Grenzen von 1937 als anerkannte Minderheit lebten, und ihre Nachkommen Deutsche im Sinne des Grundgesetzes.“

So erklärt sich, dass die meisten deutschen Staatsangehörigen polnischer Minderheit Doppelstaatler sind.

Vertreter der polnischen Volksgruppe fordern die Anerkennung der Polen in Deutschland als nationale Minderheit und Gewährung der daraus resultierenden Rechte. Zudem fordern sie die Beseitigung ihrer Meinung nach bestehender Asymmetrie. Aufsehen erregten in diesem Zusammenhang Fälle, in denen nach Scheidung binationaler Ehen, der Sorgerechtsentzug den polnischen, bzw. ausländischen Elternteil traf und deutsche Jugendämter den gestatteten betreuten Umgang nur in deutscher Sprache erlaubt hatten. In polnischen Pressepublikationen wurde dies mit dem Vorgehen der Nationalsozialisten gegen das polnische Volk und die polnische Sprache gleichgesetzt. Aufgrund dieser Jugendamts-Fälle sei die Bundesrepublik Deutschland bereits mehrfach vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)wegen Verletzung der Menschenrechte verurteilt worden.

Bis zum 1. Oktober 1939 gab es im Deutschen Reich u. a. den Bund der Polen in Deutschland und den Verband der nationalen Minderheiten in Deutschland.

Zu den wichtigsten heute auf Bundesebene tätigen Vereinen zählen die Deutsch-Polnische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, dieDeutsch-Polnische Gesellschaft Bundesverband, der Bund der Polen in Deutschland und der Polnische Kongress in Deutschland.

Eine besondere Rolle kommt der Polnischen Katholischen Mission zu, die neben ihrer seelsorgerischen Tätigkeit auch Unterricht für Kinder in polnischer Sprache anbietet.

Seit den polnischen Teilungen von 1772, 1793 und 1795 und der Eingliederung von Teilen des polnischen Territoriums in den preußischen Staat lebten innerhalb der Grenzen des preußischen Staates über 3 Millionen polnischsprachige Menschen, vor allem in den neuen preußischen Provinzen Posen und Westpreußen.[4]

Der verstärkte Zuzug von Polen an SpreeRhein und Ruhr fiel zusammen mit der Phase des Übergangs vom Agrar- zum Industriestaat und dem damit verbundenen erheblichen Bedarf an Arbeitskräften einerseits und dem hohen Bevölkerungsüberschuss durch die Agrarreform in den preußischen Ostprovinzen andererseits. So setzte in den 80er und vor allem 90er Jahren des 19. Jahrhunderts eine Massenauswanderung aus den Ostprovinzen ein, die in einer Ost-West-Wanderung in BerlinMitteldeutschland und dem Ruhrgebietmündete. Bereits seit den 1870er Jahren herrschte in den Industriegebieten an Rhein und Ruhr vor allem durch die rasche Expansion desSteinkohlebergbaus ein erhöhter Arbeitskräftebedarf. Da dieser nicht mehr aus dem näheren Umfeld befriedigt werden konnte, müssten Arbeitskräfte aus anderen Regionen angeworben werden.

Bis zum Ersten Weltkrieg war ein Zuwachs von mehr als zwei Millionen Menschen aus dem Osten zu verzeichnen. Dabei erreichte der Anteil der polnischen Bevölkerung in manchen Kreisen, wie 1900 beispielsweise in Recklinghausen mit 13,8 % oder im Landkreis Gelsenkirchenmit 13,1 %, beachtliche Werte.[5]

1903 wurde die Polnische Nationaldemokratische Partei gegründet, die in den 1920er Jahren durch die „Polnische Volkspartei“ und 1932 durch die „Polenliste“ abgelöst wurde. Prominentester Vertreter der Polenpartei im Reichstag war der schlesische Journalist Wojciech Korfanty.

In der Weimarer Republik wurden die Polen als nationale Minderheit anerkannt. Die Gesamtzahl der Polen betrug zur Zeit der Weimarer Republik etwa 2 Millionen.[4] Im August 1939 wurde die Führung der polnischen Minderheit, kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegsverhaftet und anschließend in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Buchenwald interniert. Am 7. September 1939, unmittelbar nach Beginn des Polenfeldzugs, wurde die Anerkennung als nationale Minderheit von der nationalsozialistischen Diktatur Hitlers per Dekret widerrufen und der Bund der Polen in Deutschland verboten. Am 3. Juni 1940 wurden die Immobilien, Banken und sonstiges Vermögen der polnischen Minderheitsorganisationen im Deutschen Reich beschlagnahmt.[4]

Mit der Westverschiebung Polens an die Oder-Neiße-Linie 1945 kamen die Gebiete, in denen eine autochthone polnische Minderheit ansässig war (vor allem die Grenzregionen der preußischen Provinzen Grenzmark PosenWestpreußenOberschlesien und Ostpreußen) zum nunmehr kommunistisch beherrschten Polen.

Seit den 50er Jahren kamen in die Bundesrepublik insgesamt ca. 2,5 Millionen Menschen aus Polen, vor allem Spätaussiedler, aber auch politische Emigranten der Solidarność-Zeit.

Die Zahl der derzeit in der Bundesrepublik Deutschland wohnenden Polen lässt sich nicht exakt beziffern. Schätzungen reichen von 1,5 Millionen Menschen mit polnischem Migrationshintergrund[1] (Mikrozensus 2009 in Deutschland) bis zu zwei Millionen[2] (Schätzwerte der Stiftung Wspólnota Polska, 2007) Menschen mit einer ganz oder teilweise polnischen ethnischen, kulturellen oder sprachlichen Identität. Die Zahl der Personen mit ausschließlich polnischer Staatsbürgerschaft liegt bei 419.435 (2010).[3] Die Anzahl der Polen mit polnischer und deutscher Staatsbürgerschaft wurde 2005 mit 1,2 Millionen angegeben. Menschen polnischer Abstammung leben heute insbesondere in den Ballungsgebieten RuhrgebietBerlinHamburg und München sowie seit dem EU-Beitritt Polens auch vermehrt auf deutscher Seite im deutsch-polnischen Oder-Neiße-Grenzgebiet.

Mit Ruhrpolen sind die Menschen gemeint, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts teils mit ihren Familien aus Polen ins Ruhrgebiet eingewandert sind und dort meist als Bergleute gearbeitet haben, sowie ihre Nachfahren.

m 19. Jahrhundert existierte kein souveräner polnischer Staat. Bereits im 18. Jahrhundert war Polen in drei Schritten („Drei Teilungen Polens“) geteilt worden. Seit der dritten Polnischen Teilung1795 war Polen komplett zwischen Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt, d. h. es gab drei Bereiche, die dem österreichischen, russischen und preußischen Herrschaftsbereich zugeordnet wurden. Seitdem gab es in den Ostprovinzen Preußens Regionen mit überwiegend polnischsprachiger Bevölkerung und Regionen mit starken polnischen Minderheiten (auch wenn das Zeitalter Napoleons und der Wiener Kongress noch einige Veränderungen mit sich brachten). Seit 1871 waren diese Provinzen Teile der Ostgebiete des damaligen Deutschen Reiches.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte die Industrialisierung auch in Deutschland zu tiefgreifenden Veränderungen. In den Schwerpunktsgebieten der Industrialisierung wuchs der Bedarf an Arbeitskräften stark an. Das traf insbesondere auf das Ruhrgebiet zu.

[Bearbeiten]Entwicklung

Durch den stark steigenden Bedarf an Arbeitskräften wanderten viele Menschen ins Ruhrgebiet. Neben Menschen aus dem unmittelbaren ländlichen Umfeld zogen auch Menschen aus ferner gelegenen Regionen zu, um in der Industrie zu arbeiten. Darunter waren viele aus den Ostprovinzen Preußens, so dass auch unter den inländischen Zuwanderern in die industriellen Ballungszentren viele Menschen waren, die polnisch sprachen und sich als Polen fühlten. Gleichzeitig fand auch eine Zuwanderung aus dem vor allem östlichen Ausland statt. Darunter waren wiederum viele Polen.

Ab 1880 verstärkte sich die Ost-West-Wanderung aus dem preußischen Osten ins Ruhrgebiet. Die Arbeiter aus dem deutschen, österreich-ungarischen und russischen Polen gewannen immer mehr an Attraktivität für Industrie und Landwirtschaft. Polnische Saisonarbeiter arbeiteten in der Industrie, vor allem in Bergbau, Hüttenwesen, Baugewerbe und Ziegelherstellung, sowie im Osten in der Landwirtschaft. Insbesondere die ostelbischen Güter verlegten sich immer mehr auf die ca. 400.000 Billiglohnkräfte. Die Pendler waren ungelernt, saisonal, leisteten längere Arbeitszeiten und erhielten niedrigere Löhne als die deutschen Arbeitskräfte. Funktional dienten die polnischen Saisonarbeiter oft als Lohndrücker und Streikbrecher. 1890 führte die preußische Verwaltung das Regelwerk „Karenzzeit“ ein, welches die Zuwanderer verbindlich zwang, nach Ablauf der Saison das Land zu verlassen. (Mark Terkessidis, 2000)

Während gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Auswanderung Deutscher rückläufig war, zogen Menschen nicht-deutscher Herkunft nach Deutschland zu. Die Arbeitsmigration entstand aus der Nachfrage nach Arbeitskräften während der Industrialisierung1871 zogen nach demdeutsch-französischen Krieg Bergarbeiter aus Oberschlesien, polnische Landarbeiter aus Ost- und Westpreußen sowie aus Posen ins Ruhrgebiet und verwandelten es in eine „polnische Kolonie“. Die Zechenunternehmer konnten damit den sprunghaft gestiegenen Bedarf an Arbeitskräften im Ruhrbergbau decken. Die deutsche Arbeiterschaft nahm die „Ruhrpolen“ als fremd wahr, wegen ihrer zum Teil strengkatholischen Konfession und ihrer ungewohnten Sprache. Folglich bildeten die Polen ein eigenständiges Arbeitermilieu in den Städten des Ruhrgebiets, hauptsächlich in EssenDortmund und Gelsenkirchen. So wurden z. B. in Bochum komplett eigenständige Strukturen geschaffen wie die einflussreiche polnische Gewerkschaft Federacja ZZP, die Arbeiterzeitung Wiarus Polski und die Polnische Arbeiterbank. Eine wichtige Rolle spielte dabei Jan Brejski.

Vor der polnischen Einwanderungswelle waren nur wenige deutsche Arbeitslose dazu bereit, im ehemals kaum besiedelten Ruhrgebiet zu arbeiten. Die meisten sich dort ansiedelnden Deutschen kamen aus Oberschlesien. Das Zusammenspiel der verschiedenartigen Traditionen brachte die industrielle Kultur hervor, für die das Ruhrgebiet noch heute bekannt ist. Die Assimilation gelang komplett; die staatliche Politik wies stark antipolnische Züge auf. Da die polnische Sprache nicht gepflegt wurde, sind die Nachkommen der Einwanderer heute außer an den vielen polnischen Nachnamen im Ruhrgebiet und einigen letzten kulturellen Resten kaum noch von der angestammten Bevölkerung zu unterscheiden.

[Bearbeiten]Beispiel: Die Geschichte des FC Schalke 04

Der bekannte Gelsenkirchener Fußballverein FC Schalke 04 wäre ohne die Ruhrpolen nicht das geworden, was er heute ist. Wie der Fußball allgemein zu seiner Anfangszeit, so war auch Schalke 04 zunächst ein Verein, der sich mit diesem Sport bürgerlichen Schichten der Bevölkerung zuwandte. Erst in den 1920er Jahren begannen die Jugendtrainer des Klubs, die große Begeisterung für den Fußball und das große Potential in der Arbeiterklasse zu beachten. Sie gingen gezielt in den Gelsenkirchener Zechensiedlungen auf Talentsuche. Diese waren hauptsächlich von den polnischen Einwanderern bzw. ihren Kindern und Enkeln bewohnt. Dort stießen sie schließlich auf die goldene Generation des Vereins, eine Reihe von Jungen, die in den 30er und 40er Jahren den „Schalker Kreisel“ (eine Bezeichnung für schnellen, temporeichen Offensivfußball mit vielen Pässen) bilden sollten und 6 deutsche Meisterschaften errangen. Ihre bekanntesten Namen sindSzepan und Kuzorra. Neben den beiden standen weitere Spieler polnischer Abstammung auf dem Platz: Tibulsky, Kalwitzki, Burdenski, Przybylski, Czerwinski, Urban, Zajons und so weiter. Neider und Rivalen gaben Schalke deshalb den Beinamen „Proleten- und Polackenverein“. Gerüchte, Legenden und Anekdoten gibt es bis heute über diese Zeit. So titelten polnische Zeitschriften tatsächlich, dass Polen deutsche Fußballmeister wurden, und der polnische Fußballverband soll bei Szepan und Kuzorra angefragt haben, ob diese beiden nicht für die polnische Nationalmannschaft auflaufen wollten. Dem Verein und einigen Spielern war das alles eher unangenehm, speziell aufgrund der nationalsozialistischen Herrschaft. Schalke 04 brachte ein Rundschreiben mit dem Titel „Schluss mit polnischen Gerüchten“ heraus. Darin waren Stammbäume der Spieler verzeichnet, welche zeigen sollten, dass alle Spieler und ihre Eltern im damaligen Deutschland oder im Kaiserreich bzw. Preußen geboren wurden. Dabei wurde nicht beachtet, dass es bis 1918 mehr als 100 Jahre lang keinen polnischen Staat gab und die östlichsten Reichsteile (besonders Oberschlesien) noch polnisch geprägt waren und deswegen dort seit jeher Polen wohnten. Ernst Kuzorras Mutter soll zum Beispiel ihr Leben lang nur wenige Worte deutsch gesprochen haben. Den Nationalsozialisten war der „polnische“ FC Schalke 04 aber scheinbar erstaunlich gleichgültig. Sie erkannten in dem sensationallen Erfolg des Arbeitervereins große Möglichkeiten für ihre Propaganda. Fritz Szepan wurde zu einem Profiteur des Regimes und übernahm ein ehemaliges jüdisches Kaufhaus in der Stadt. Im weiteren Verlauf der Geschichte des Vereins tauchten immer wieder große Spieler mit polnischen Namen auf, ob nun Spieler aus Gelsenkirchen selbst oder dem übrigen Ruhrgebiet, wie die Brüder Abramczik oder „Stan“ Libuda.

[Bearbeiten]Zahlen

1871 lebten im Ruhrgebiet 536.000 Menschen, 1910 waren es bereits drei Millionen. Eine halbe Million war polnischer Herkunft.

Schätzungen gehen davon aus, dass ca. ein Drittel der 5,3 Millionen Menschen des Ruhrgebiets polnische Wurzeln hat. Dazu zählen die Nachkommen der Ruhrpolen ebenso wie die dort lebenden Auslandspolen und Polen, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierten (große Wellen in den 1980er Jahren und nach dem Ende der Volksrepublik Polen) und die deutsche oder doppelte Staatsbürgerschaft erhielten, da ihre Familie vor dem Krieg in den ehemaligen deutschen Ostgebieten Reichsbürger waren. Diese letzten polnischen Auswanderer suchten sich gezielt das Ruhrgebiet aus, da es eine polnische Tradition aufwies. Mit ihnen kamen nach 1945 auch Deutschstämmige als Spätaussiedler aus den ehemaligen Ostgebieten, die sich dort einer Vertreibung verwehrt hatten. Damit ist das Ruhrgebiet theoretisch die größte polnische Gemeinschaft außerhalb Polens.

Aus heutiger Sicht muss man bei diesen Zahlen beachten, dass einige polnische Einwanderer im Zuge der antipolnischen Politik und „Germanisierung“ ihre Nachnamen „eindeutschen“ ließen. Dies geschah oft nicht nur in der Schreibweise, wie wenn Szymański zuSchimanski wurde, sondern auch durch komplette Namensänderungen ins Deutsche. So wurde aus dem ehemaligen Schalker Fußballspieler Emil Czerwinski (Mitglied des legendären „Schalker Kreisels“ um Ernst Kuzorra und Fritz Szepan), im Laufe der 1930er JahreRothardt.

[Bearbeiten]Beispiel Bottrop

Bottrops Gemeinde zählte im Jahr 1875 6.600 Einwohner, bis 1900 vervierfachte sich die Zahl, 40 Prozent der Bevölkerung waren polnischer Abstammung. 1915 wiederum zählte Bottrop 69.000 Einwohner, die einheimische westfälische Wohnbevölkerung stellte die Minderheit dar. 1911 stellen die Migranten 36 Prozent der Belegschaften der Zechen. (Heckmann 1992:19).

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