Dr. Matthes Haug – KRR-Aktivist


Karl Dönitz

Image via Wikipedia

Dr. Matthes Haug (geb. 2. November 1960) ist ein deutscher ehemaliger Physiklehrer, KRR-Aktivist und Verfechter der Freie-Energie-Hypothesen.

Der völkisch gesonnene Dr. Matthes Haug gilt als Aktivist der so genannten kommissarischen Reichsregierungen KRR in Deutschland und…

… gründete sein eigenes KRR-Grüppchen zunächst als „Deutsches Reich Komitee“, schließlich als „National-versammlung“.

Das „Komitee“ erlebte gleich einen tollen Einstand.

 So veröffentlichte man ein angebliches Fax des „Bureau of Diplomatic Security„, das dermaßen plump gefälscht war, dass es einfach nur noch lächerlich ist.[1]

Haug firmierte auf seiner „Informationsseite“ mal als „vorläufiger Reichspräsident„, mal als „Präsident der Nationalversammlung“. Als solcher wurde er am 30. November 2003 erstmals von angeblich knapp 120 geladenen Gästen (die Angaben schwanken zwischen 116 und 119) gewählt. Wie einem Rundschreiben Haugs vom 5. Januar 2004 an seine „Reichsbürgerinnen und Reichsbürger“ zu entnehmen ist, haben diese laut „Abgabenordnung“ einen „monatlichen freiwilligen Beitrag, jedoch mindestens 10 EUR“ zu entrichten, der auf „zukünftig zu erhebende Steuern“ angerechnet werden soll. Somit erschloss Haug eine zusätzliche Geldquelle.

In Kreisen der „Reichsideologen“ ist Haug u.a. bekannt als ehemaliger Innenstaatssekretär und Innenminister bei KRR-Neubauer bzw. KRR-Ministerialdirektor Bradler. Dort wurde er allerdings mittlerweile „entlassen“, wie es im Bradler-Forum hieß, wegen seines eigenmächtigen Handelns.

Haug kandierte 1999 erfolglos für die „Wählerinitiative unabhängiger Tübinger“ (W.U.T.) bei Gemeinderats- und Kreistagswahlen. Das Tübinger „tagblatt“ hatte ihn zudem bereits 1998 als als Physiker einer Ein-Mann-Firma porträtiert.

Im Februar 2002 berichtete das Tübinger „tagblatt online“ über eine Verhandlung gegen Haug vor dem Amtsgericht Tübingen. Er war angeklagt wegen Anstiftung zu Beleidigung und Bedrohung. Weil aber sein Verteidiger wegen Krankheit kurzfristig verhindert war, musste das Verfahren neu terminiert werden. Über das Ergebnis ist nichts Genaues bekannt. Im oben genannten Artikel der „Bietigheimer Zeitung“ vom 19. Mai 2006 hieß es allerdings: Schon einmal war ein Ermittlungsverfahren gegen ihn folgenlos ausgegangen. Haug war der Prozess gemacht worden, weil er einem Rottenburger Amtsrichter, der seine Reichsregierung nicht anerkennen wollte, mit einem Verfahren wegen Hochverrats drohte.

Freie Energie

2007 gründete Haug die Schweizer Energie Systemlösungen AG. Unter anderem bewirbt Haug im Internet Freie Energie-Vorstellungen sowie ein ökologisch desaströses Wasserauto-Konzept namens Genepax.

GNM

Im April 2006 führte Haug ein Interview mit dem Erfinder der Germanischen Neuen Medizin, dem flüchtigen Wunderheiler Ryke Geerd Hamer. Der Großteil des rund einstündigen Interviews drehte sich um die kruden Theorien des Dr. Hamer zum Staats- und Völkerrecht. Es gipfelte schließlich in dem Angebot Haugs an Hamer, für den Posten des Präsidenten der Nationalversammlung bzw. des Reichspräsidenten zu kandidieren. Schließlich müsse es für die neue Regierung „völlig integere, charismatische Personen“ geben. Hamer nahm dieses Angebot als „guter Deutscher“ mit den schlichten Worten „Ja, die würde ich annehmen […] mit Freuden sogar“ an. Haugs Angebot kann als geschickter Schachzug zur weiteren Verbreitung der „Reichsideologie“ angesehen werden, zählt doch die „Germanische Neue Medizin“ trotz aller Absurdidität zahlreiche – teilweise fanatische – Anhänger besonders im rechten Milieu.

In dem Interview nutzen beide permanent gängiges Nazivokabular. So wird etwa die DDR als Mitteldeutschland bezeichnet. Auch finden sich mehrere geschichtsrevisionistische Passagen, in denen das Naziregime verharmlost wird.

Neue Impulse Treff

Haug bewirbt auf seiner Website Vorträge des Neue Impulse Treff, mit Referenten wie Uwe Behnken und Claudia Aumüller-Karger.

Vita

Porträt Dr. Matthes Haug

Tabellarischer Lebenslauf Dr. Matthes Haug

1960
Am 2. November in Grötzingen bei Nürtingen geboren
1982-88
Studium Physik und Sportwissenschaften an den Universitäten Marburg und Tübingen
1989-1990
Referendariat an der Geschwister Scholl Schule Tübingen Gymnasium (Fächer: Physik und Sport)
1990
Beginn des Dissertationsstudiums in Physik an der Universität Tübingen
Auslandstudienaufenthalte in Bordeaux, Frankreich.
1992
Diplomprüfungen in Physik und Promotion im Hauptfach Angewandte Physik bei Prof. Dr. Göpel (Institut für Physikalische und Theoretische Chemie)
Seit 1993
Freiberufliche Tätigkeit als Physiker in Forschung und Vertrieb im Bereich Umwelttechnologie
Seit 1997
Mitglied des Institutes of Physics in London, das weltweit Forschung für Spitzentechnologien in der Industrie fördert
2001
Gründung des Instituts für Naturwissenschaften und Umwelttechnologie mit den Schwerpunkten Entwicklung emissionsfreier alternativer Energie und Polymerschadstoffsensoren

Familienstand: geschieden, 2 Töchter (20 Jahre, 2 Wochen)

Haug, Matthes Peter Dr.

In einem Bericht der „Bietigheimer Zeitung“ (Südwestumschau) vom 19.05.2006 hieß es, Dr. Matthes Peter Haug sei im wirklichen Leben Chef einer GmbH, „deren Zweck die Erzeugung sauberer Energie sein soll“. In Kreisen der „Reichsideologen“ ist Haug u.a. bekannt als ehemaliger „Innenstaatssekretär“ und „Innenminister“ bei Neubauer bzw. Bradler. Dort wurde er „entlassen“, wie es im Bradler-Forum hieß (Screenshot), wegen „seines eigenmächtigen Handelns“ (vgl. die Diskussion im „KRR“-FAQ-Forum).

Danach machte sich Haug selbständig. Seine Gruppe nannte sich zunächst „Deutsches Reich Komitee“, firmierte schließlich als „Nationalversammlung“ (im Rahmen der FAQ wird sie jedoch der Einfachheit halber als „KRR“ bezeichnet).

Das „Komitee“ erlebte gleich einen tollen Einstand. So veröffentlichte man ein angebliches Fax des „Bureau of Diplomatic Security“, das dermaßen plump gefälscht war, daß es einfach nur noch lächerlich ist (siehe gerade genannten Diskussionsfaden).

Haug firmierte auf seiner „Informationsseite“ mal als „vorläufiger Reichspräsident“ (Screenshot), mal als „Präsident der Nationalversammlung“. Als solcher wurde er am 30.11.2003 erstmals von angeblich knapp 120 geladenen Gästen (die Angaben schwanken zwischen 116 und 119) gewählt. Wie einem Rundschreiben Haugs vom 5. Januar 2004 an seine „Reichsbürgerinnen und Reichsbürger“ zu entnehmen ist, haben diese laut „Abgabenordnung“ einen „monatlichen freiwilligen Beitrag, jedoch mindestens 10 EUR“ zu entrichten, der auf „zukünftig zu erhebende Steuern“ angerechnet werden soll (Screenshot). Somit erschloß Haug eine zusätzliche Geldquelle.

Haug über seine Biographie: „Studium der Fächer Physik und Sport an den Universitäten Marburg, Tübingen und Bordeaux. Promotion in Physik im Bereich Physikalische Chemie – analytische Umwelttechnologie. Tätigkeit im Bereich industrielle Forschung in der Fachrichtung Umwelttechnologie. Seit 99 Key Account Manager in renommierter Schweizer Umwelttechnologiefirma. 99 – 2002 Mitglied der KRR.“ (Screenshot)

Er hat wohl – was natürlich bereits die Fächerkombination vermuten läßt – auf Lehramt studiert, da auf einer anderen Seite von einem Referendariat am Gymnasium die Rede ist (Screenshot).

Seine Dissertationsschrift aus dem Jahre 1993 (Universität Tübingen) befaßt sich mit dem Thema „Die Wechselwirkung organischer Lösungsmittelmoleküle mit Polysiloxanschichten“ (Screenshot). Er bezeichnet sich selbst als Spezialisten für „die Untersuchung elektromagnetischer Strahlung auf biologische Systeme“. Leider ist nicht ersichtlich, wie und wo er sich dieses Expertenwissen angeeignet haben will. Jedenfalls trat er im April 2002 in Esslingen auf und hielt einen Vortrag zum Thema „Grenzwerte schützen uns nicht!“. Auch in Sachen „Neue Homöopathie“ und „Lebensenergie“ ist „Dr. rer. nat“ Haug aktiv, hat jedenfalls eine mehrere Tage umfassende „Ausbildung“ in dieser Art der Homöopathie absolviert, die auf einen E. Körbler zurückgeht.

Haug kandierte 1999 erfolglos für die „Wählerinitiative unabhängiger Tübinger“ (W.U.T.) bei Gemeinderats- und Kreistagswahlen. Das Tübinger „tagblatt“ hatte ihn zudem bereits 1998 als „als Physiker (s)einer Ein-Mann-Firma porträtiert“.

Im Februar 2002 berichtete das Tübinger „tagblatt online“ über eine Verhandlung gegen Haug vor dem Amtsgericht Tübingen. Er war angeklagt wegen Anstiftung zu Beleidigung und Bedrohung. Weil aber sein Verteidiger wegen Krankheit kurzfristig verhindert war, mußte das Verfahren neu terminiert werden. Über das Ergebnis ist nichts Genaues bekannt. Im oben genannten Artikel der „Bietigheimer Zeitung“ vom 19.05.2006 hieß es allerdings:

„Schon einmal war ein Ermittlungsverfahren gegen ihn folgenlos ausgegangen. Haug war der Prozess gemacht worden, weil er einem Rottenburger Amtsrichter, der seine Reichsregierung nicht anerkennen wollte, mit einem Verfahren wegen Hochverrats drohte.“

Der mutmaßlich „Scientology“ nahestehende „Michael Kent“ lobte in seiner „Kent-Depesche 31+32/2004“ Haug als den einzigen, der über den „Rechtsstatus Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg und speziell nach der Wiedervereinigung“ aufklären könne.

Auch wenn Haug bereits lange Zeit die üblichen „KRR“-Thesen vertrat, hatte er in einem Interview mit dem Lokalsender „Bodensee TV“ Probleme, die Drei-Elemente-Lehre richtig wiederzugeben und sprach von „Staatsgebiet, Staatsvolk und Verfassung“. Auch auf seiner Informationsseite findet sich Entsprechendes (Screenshot). Phantasiereich war Haug bereits zu alten „Innenminister“-Zeiten in Sachen BK/O, wobei er jedoch immer falsch lag (siehe dazu hier).

Gleichfalls phantasiereich war „Matthes'“ Ankündigung vom Dezember 2000: „Der Euro kommt definitiv nicht“ hieß es da im alten „KRR“-Forum (Backup).

In diesem Zusammenhang erwähnenswert ist, daß „Matthes, Reichsinspektor“ ebenfalls im Dezember 2000 im Bradler-Forum schrieb:

„Wenn das D.R. wieder ausgerufen wird, wäre die Einführung des Euro illegal, da die BRD – also Herr Dr. Cohn – über seine Einführung nicht rechtswirksam für das Deutsche Volk entscheiden konnte. Als Handlanger der Amerikaner schon.“ (Backup)

Mit „Herr Dr. Cohn“ ist der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl gemeint. „Matthes“ macht sich hierbei die in rechtsextremen Kreisen beliebte Mär zueigen, Helmut Kohl heiße eigentlich „Hennoch Kohn“ (oder bei Haug „Cohn“) und sei Jude. Diese Geschichte hat nichts mit der Realität zu tun (siehe dazu -> H-Ref). Daß Haug sie trotzdem verwendet, um Helmut Kohl zu diffamieren, verdeutlicht seine Geisteshaltung.

In einem Internetforum wurde am 11. August 2004 ein mit „Dr. Matthes Haug, Präsident der Nationalversammlung des Detuschen Reichs“ unterzeichneter Beitrag veröffentlicht (Screenshot), in dem es – garniert mit dem üblichen Vokabular – im Hinblick auf den Heß-„Gedenkmarsch“ am 21. August 2004 in Wunsiedel hieß: „Im letzten Jahr besuchten aus allen Herrenländer ca. 5000 Menschen, die um die Wahrheit und tatsächlichen Grund des Heßfluges mehr als der allgemeine Michel wissen, sein Grab. (…) Mir ist es eine Freude, diesem Mann, der mit einem Friedensvertrag der Deutschen Regierung nach Schottland flog, um den Irrsinn des 2. Weltkrieges 1941 zu beenden, diese Ehre in Wunsiedel zu erweisen.“. Der „Stern“ berichtete in seiner Online-Ausgabe nach dem „Gedenkmarsch“:“Traurige Tradition in Wunsiedel: Zum 17. Mal marschierten Neonazis durch den Ort, um des Todes des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß zu gedenken. Die Einwohner wehrten sich nach Kräften – aber friedlich. Beim Aufmarsch von rund 3800 Neonazis im bayerischen Wunsiedel anlässlich des 17. Todestages von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß hat die Polizei über 100 Personen festgenommen. (…)“.

Verbindungen zwischen Haugs „Reichsregierung“ und Rechtsextremisten zeigten sich jedenfalls im Oktober 2006 auch auf der Internetseite des NPD Kreisverbands Köln. In der Rubrik „Aktuelles aus der OMF-BRd“ fand sich gleich einleitend die Berufung auf die Grenzen von 1937 (gestützt auf die bekannte Entscheidung des BVerfG aus dem Jahr 1973) und ebenso die Behauptung, das Grundgesetz sei keine Verfassung. Schließlich wurde für „weitere Informationen“ auf das „Reichsnachrichtenportal“ verwiesen. „Empfehlenswert“ sei auch die Haug’sche Internetseite (Screenshot). Wer sich gerne mit „national denkenden Reichsbürgern“ austauschen möchte, möge sich – so die Empfehlung des NPD Kreisverbands – an das „Neuschwabenland“-Forum halten.

In einem Internetforum, das wohl zur Landesregierung Olaf Opelts gehörte, wurde interessanterweise Anfang September 2004 ein Vortrag Haugs angekündigt „zum Thema Deutches Reich“ (Screenshot). Haug wurde dabei lediglich als „Dr. Matthes Haug“ angekündigt; nicht als „vorläufiger Reichspräsident“ oder ähnliches. Trotzdem dürfte es ein Hinweis auf eine Zusammenarbeit dieser „KRRs“ zum damaligen Zeitpunkt gewesen sein.

Mitte Oktober 2004 tauchte im „Tagebuch“ der Martina P. eine E-Mail auf, die angeblich von Dr. Haug stammen sollte (Screenshot). Darin offenbarte der Verfasser, sollte es sich wirklich um Dr. Haug handeln, erstaunliche Gedächtnislücken (siehe hier).

Anfang November 2004 wurde der Internetauftritt des „Reichspräsidenten“ Haug überarbeitet. Ganz im Stil der „KRR“-FAQ wurde eine Rubrik „Fragen und Antworten“ eingefügt, in der angeblich die Argumente der „KRR“-FAQ widerlegt werden sollen. Der Versuch mißlingt bereits bei der ersten Frage: „Es heißt, die ‚Bundesrepublik Deutschland‘ sei nur ein anderer Name für ein staatliches Gebilde das vorher den Namen ‚Deutsches Reich‘ hatte“. Auf die Frage nach dem Namen wird mit keinem Wort eingegangen. Logisch, denn sonst müßte man einräumen, daß Bundesrepublik Deutschland und „Deutsches Reich“ lediglich unterschiedliche Namen für dasselbe Völkerrechtssubjekt sind (siehe dazu auch hier). Nicht weniger unseriös ist die Auseinandersetzung mit den weiteren Problemstellungen. Lächerlich ist z.B. die „Argumentation“ bzgl. Berlin-Übereinkommen und „2+4“-Vertrag. Angeblich habe die Erklärung, daß der „2+4“-Vertrag am 3. Oktober 1990 vorläufig in Kraft trat, keinerlei Rechtswirkungen entfaltet (siehe dazu auch hier). Äußerst bemerkenswert ist die „Argumentation“ hinsichtlich der Frage, ob eine Wiedervereinigung auch ohne Art. 23 GG a.F. hätte stattfinden können. Diese Aussage wird vorbehaltlos übernommen! Damit hätte sich eigentlich die gesamte Haug’sche „Argumentation“ bzgl. Unwirksamkeit der Wiedervereinigung erledigt (siehe dazu hier). Zudem wird – im Gegensatz zu der E-Mail, die bei Martina P. veröffentlicht ist – wieder von einer Streichung des Art. 23 GG a.F. am 17. Juli 1990 mit Wirkung zum 18. Juli 1990 durch US-Außenminister Baker phantasiert, ohne allerdings den geheimnisvollen Journalisten ins Spiel zu bringen, den Doktor Haug mal gefragt haben will.

Ausweislich eines u.a. auf Haugs „Informationsseite“ veröffentlichten Protokolls der „2. Nationalversammlung“ der Haug’schen „Regierung“ vom 28. November 2004 wurde dort ein „Reichskanzler“ gewählt. Sein Name: Florian Davidis, seines Zeichens Frauenarzt. Das Protokoll der „2. Nationalversammlung“ enthält auch die Vorstellung weiterer Mitarbeiter/innen. Zum Thema „Erreichte Ziele“ heißt es:

„Einigung mit verschiedenen Gruppierungen (…) Begrüßen der anwesenden Personen aus Sachsen:(…) Herr Opelt, (…) Herr Halang (…) Begrüßung des Innenministers aus Hessen: Herr Weisheit“

Gerade die Begrüßung der Herren Opelt und Halang überraschte nicht mehr, war Haug doch bereits zuvor bei einer ihrer Veranstaltungen als Redner angekündigt, wie vorstehend erwähnt.

Genug Geld scheint Haug, dessen Vater angeblich Carlo Schmid persönlich gekannt habe, während seiner Zeit bei den „Reichsregierungen“ jedoch noch nicht verdient zu haben. Im Rahmen der o.g. „2. Nationalversammlung“ sprach Haug laut Protokoll jedenfalls davon, für seine „Auseinandersetzung“ mit dem Finanzamt Tübingen und dem Finanzgericht Stuttgart weitere Mittel zu benötigen, da er bisher alles aus „privaten Einlagen“ bezahlt habe. Nun sollten auch die angeblich „ca. 300.000 Bürger“ mithelfen (Screenshot). Bei einem Jahresbeitrag von mindestens 10 EUR pro „Bürger“ müßte Haug also eigentlich locker ca. 3.000.000 EUR eingenommen haben. Fraglich ist, ob er diese Einnahmen – sollten sie zutreffen – ordnungsgemäß versteuert hat.

Haugs Nationalversammlung warb auch mit einem so genannten „Staatsbesuch“ Ende September/Anfang Oktober 2004 in St. Petersburg hin. Diesen absolvierte Haug in Begleitung eines gewissen „Brigade General a. D. Uhle-Wettler“ (-> Wikipedia zu Uhle-Wettler). Nachprüfbar sind seine Angaben in den wesentlichen Punkten nicht. Eine Rückfrage bei der einladenden Organisation ist unmöglich, da auf der öffentlich zugänglich gemachten Einladung „aus Sicherheitsgründen“ sämtliche Namen und E-Mail-Adressen unkenntlich gemacht worden sind.

Eine weitere Einnahmequelle Haugs war seine Tätigkeit als freier Handelsvertreter und „Bauberater“ für KAMPA-Haus (Screenshot), der nach Eigenwerbung bekanntesten „Hausbau-Marke auf dem deutschen Eigenheimmarkt“, die das Vertrauen ihrer Kunden als ihr „wichtigstes Kapital“ bezeichnet. Für KAMPA suchte Haug z.B. in Zeitungsanzeigen auch „Bauplätze in allen Größen für vorgemerkte Barzahler“ (Screenshot). Der zuständige KAMPA-Vertriebsleiter wurde von einem Leser der „KRR“-FAQ im Juli 2006 auf Haugs schillernde „Polit-Karriere“ aufmerksam gemacht. Er sah darin jedoch lediglich eine „freie Meinungsäußerung“, welche das Grundgesetz jedem Bundesbürger gestatte und die der Vertriebsleiter Herrn Haug nicht verbieten könne. Jedoch wollte er „die Thematik“ genau verfolgen. Im November 2007 ergab eine Internetrecherche keine aktuellen Zusammenhänge mehr zwischen Haug und KAMPA.

Vermutlich Ende April 2006 führte Haug ein Interview mit dem Erfinder der „Germanischen Neuen Medizin“, Ryke Geerd Hamer. Der Großteil des rund einstündigen Interviews drehte sich um die kruden Theorien des Dr. Haug zum Staats- und Völkerrecht. Es gipfelte schließlich in dem Angebot Haugs an Hamer, für den Posten des „Präsidenten der Nationalversammlung“ bzw. des „Reichspräsidenten“ zu kandidieren. Schließlich müsse es für die neue Regierung „völlig integere, charismatische Personen“ geben. Hamer nahm dieses Angebot als „guter Deutscher“ mit den schlichten Worten „Ja, die würde ich annehmen (…) mit Freuden sogar“ an. Haugs Angebot kann als geschickter Schachzug zur weiteren Verbreitung der „Reichsideologie“ angesehen werden, zählt doch die „Germanische Neue Medizin“ trotz aller Absurdidität zahlreiche – teilweise fanatische – Anhänger.

Im Mai 2006 berichtete neben der o.g. „Bietigheimer Zeitung“ auch die Zeitung „Schwäbisches Tagblatt“ über den „Reichspräsidenten“. Der 4. Strafsenat des OLG Stuttgart (4 Ws 98/06) hatte sich mit Haug zu befassen, da die Staatsanwaltschaft Tübingen Beschwerde gegen eine Entscheidung des Landgerichts Tübingen eingelegt hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor Anklage gegen Haug erhoben (u.a. wegen des Verdachts der Amtsanmaßung). Das Landgericht Tübingen hatte jedoch die Eröffnung des Hauptverfahrens – teilweise – abgelehnt. Dem stimmte das OLG Stuttgart schließlich zu, wie den Berichten zu entnehmen war. Zu den von Haugs „Regierung“ ausgestellten Dokumenten meinte der Senat, der unbefangene Betrachter erkenne „sogleich unzweifelhaft ihren nichtamtlichen Charakter“. Sie werden mithin als reine Phantasieprodukte angesehen, vergleichbar mit selbstgebastelten „Agentenausweisen“. Eine Strafbarkeit wegen Urkundenfälschung kommt somit nicht in Betracht. Jemand, der sich als „Reichspräsident“ oder „Präsident der Nationalversammlung“ ausgibt, macht sich nach Ansicht des OLG Stuttgart auch nicht wegen Amtsanmaßung strafbar. Denn Haug maße sich keine hoheitlichen Befugnisse an, wenn er sich als „Reichspräsident“ ausgebe, so das OLG. Ein solches Amt existiert in der Bundesrepublik schließlich nicht (bzw. nur in der Phantasie der „Reichsideologen“). Im Bericht der „Bietigheimer Zeitung“ hieß es abschließend, Haug rudere – was die „Reichsausweise“ angehe – inzwischen zurück. „Die für 60 Euro ausgegebenen Ausweise seien lediglich Zugehörigkeitsausweise für Leute, die sich als Bürger des Deutschen Reichs fühlen“, habe Haug mitgeteilt.
Während die Zeitungsberichte den Eindruck erwecken, Dr. Haug habe keinerlei strafrechtliche Verfolgung zu fürchten, ergibt sich aus dem Volltext der Entscheidung, daß das Landgericht Tübingen die Anklage „teilweise“ zugelassen hat und zwar die „Anklagepunkte 57 bis 64“ (Tatvorwurf jeweils Betrug im besonders schweren Fall). Insoweit sei das Hauptverfahren vor dem „Amtsgericht – Strafrichter – Tübingen“ eröffnet worden. Die für den Fall zuständige Tübinger Staatsanwältin wollte Anfang August 2006 auf Anfrage der „KRR“-FAQ zum Verfahren keine Stellung nehmen. Eine im Rahmen der „KRR“-FAQ erfolgende Information der Öffentlichkeit über die bzw. Warnung vor den möglichen Straftaten des Herrn Dr. Haug belege kein „berechtigtes Interesse an der Erteilung von Auskünften“, hieß es. Die Stuttgarter Nachrichten berichteten am 22. August 2006 über zwei „Delinquenten“, gegen die vor dem Tübinger Amtsgericht verhandelt werde. Aus dem Zusammenhang ist zu schließen, daß es sich bei einem der „Delinquenten“ um Haug handelt.

In der ersten Jahreshälfte 2006 verkündete Haug auf seiner „Informationsseite“ übrigens die Auflösung des „Kabinetts“. In seiner Erklärung war zu lesen:

„Es hat sich jedoch gezeigt, daß die Zeit der Regierungen für ein bislang nicht souveränes Deutsches Reich noch nicht gekommen ist.
Unter diesen Umständen liefe eine Regierung Gefahr, zu ausschließlichen „Amtspersonen“ zu verkümmern.

Aus diesem Grund wurde beschlossen, sich vom Tragen von Amtstiteln zu trennen und das Kabinett selbst aufzulösen.“

Obwohl auch der o.g. „Reichskanzler“ Davidis von der „Nationalversammlung“ gewählt wurde, bleibt laut Haug lediglich der „Präsident als gewählter Repräsentant der Nationalversammlung (…) bestehen“ (Screenshot). Statt eines „Kabinetts“ sollte es zukünftig einen „Rat der Nationalversammlung“ geben.

Mindestens seit Juli 2007 hat Haug die Domain dr-matthes-haug.de registriert. In seinem „persönlichen Logbuch“ präsentiert er Themen wie „Erneuerbare Energien, Politik und Reisen“, informiert über „Freie Energie“, Vorträge u.ä.

Empfehlenswert ist ein Blick auf seine Vita (Stand November 2007; Screenshot): mit keinem Wort erwähnt Haug dort seine staatsmännischen Erfahrungen für das „Deutsche Reich“. Und wer auf die Rubrik „Gesundheit“ klickt, findet dort bislang jedenfalls keine Informationen über die „Germanische Neue Medizin“ und Ryke Geerd Hamer. Haug scheint inzwischen also ganz den seriösen Wissenschaftler zu geben, der in der Schweiz eine Firma „Energie System Lösungen AG“ gegründet habe (Screenshot). Seine jahrelange aktive Rolle bei den „Reichsregierungen“ scheint Haug unter den Teppich kehren zu wollen, allerdings bislang wenig erfolgreich, da beispielsweise die Internetseite seiner „Nationalversammlung“ diese ebenso dokumentiert wie diverse Interviews, die er als „reichsdeutscher“ Staatsmann geführt hat.

Nach Informationen der „KRR“-FAQ haben andererseits Betreiber von Internetseiten, auf denen kritisch über Haugs Aktivitäten berichtet wird, im Spätsommer 2007 u.a. Schadensersatzandrohungen erhalten. Am 29. September 2007 trat Haug im übrigen beim „5. Kongress ‚Globale Problematik und Lösungswege'“ im Bürgerhaus Vegesack – Bremen, auf (Screenshot). Ebenfalls auf dem Programm dieses Kongresses standen Vorträge u.a. von Jo Conrad und Andreas Popp (-> Antifaschistische Nachrichten 16/2007 zu Andreas Popp), beide dem Dunstkreis der „Reichsregierungen“ jedenfalls nicht völlig fremd.

Die „Südwest Presse“ berichtete in ihrer Online-Ausgabe vom 11.04.2008 schließlich von der Verurteilung des Dr. Matthes Peter Haug zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen. Haug hatte für je 50 EUR Ausweise und Führerscheine seines „Deutschen Reiches“ verkauft. Dem Bericht ist zu entnehmen, Haug sei in 8 Fällen wegen Verkaufs von „Reichsführerscheinen“ angeklagt gewesen. Zwei Fälle wurden eingestellt, in zwei weiteren erfolgte ein Freispruch. In den vier verbliebenen Fällen erfolgte die Verurteilung wegen Betrugs. Der Staatsanwaltschaft sei der Nachweis gelungen, daß Haug mit seinen Fantasiepapieren tatsächlich „Leute geschädigt“ habe, heißt es in dem Beitrag. Ob diese Entscheidung mit dem oben erwähnten Verfahren um die Beschwerde der StA Tübingen beim OLG Stuttgart zusammenhängt, ist der „KRR“-FAQ nicht bekannt; gleiches gilt derzeit (07.04.2009) für die Frage, ob das Urteil des Amtsgerichts Tübingen bereits rechtskräftig ist.

Ende Januar 2009 wandte sich Haug per E-Mail u.a. an die „KRR“-FAQ. Er behauptete darin u.a., daß im Rahmen der „KRR FAQ“ im Zusammenhang mit seinem Namen Inhalte veröffentlicht würden, welche nicht der Realität entsprächen. Ihm, der „im Energiesektor (neue Umwelttechnologien) angesiedelt“ sei und für dessen Investoren die „Reputation von entscheidender Bedeutung“ sei, sei durch die falschen Angaben „ein Sachschaden von nachweislich 2 Mio. Euro“ entstanden. Und als sei das noch nicht genug, gebe es sogar „Zeugen, die selbst aus diplomatischem Rang stammen und vor Gericht entsprechend sich äußern werden“, so Haug. Da es selbstverständlich nicht im Interesse der „KRR“-FAQ liegt, unzutreffende Angaben zu verbreiten und die E-Mail Haugs diesbezüglich doch sehr vage war, wurde um Mitteilung gebeten, welche Angaben zu Haug falsch seien, um sie korrigieren zu können. Haugs Antwort, „ich wünsche generell keine Veröffentlichung über meine Person“, erstaunt angesichts der Vielzahl der Suchergebnisse, die eine einfache Google-Recherche zu Tage fördert (Stand: 07.04.09: 141 Ergebnisse) und bei denen es sich beispielsweise um Zeitungsartikel zu Haug sowie von ihm selbst geführte Interviews zu seine Tätigkeiten in Kreisen der „Reichsregierungen“ handelt.

Folgende Frage zu seinen Tätigkeiten im „Energiesektor“ ließ Haug übrigens ebenfalls unbeantwortet:

„Unklar ist zunächst folgender Punkt: in Ihrer Vita auf dr-matthes-haug.de geben Sie unter „seit 2007“ an, die Gründung einer „Energie Systemlösungen AG“ in der Schweiz.
Meine Recherchen beim eidgenössischen Amt für das Handelsregister in Bern ergaben jedoch, daß es in der Schweiz weder derzeit eine „Energie Systemlösungen AG“ gibt noch seit 2007 gegeben hat.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s