Gericht sagt: „Reines Fantasieprodukt“


Westerheim Haus des Gastes

Haus des Gastes in Westerheim (Württemberg)

Die gescheiterte Zwangsräumung (Familie Krause: „Wir kämpfen bis zur letzten Patrone!“) eines Hauses in Westerheim sorgt weiter für Gesprächsstoff. Nun werden Hintergründe bekannt.

„Das sind Bürger wie alle anderen, und sie müssen sich an Recht und Gesetz halten.“ Dieser Feststellung des Ulmer Polizeisprechers Wolfgang Jürgens würden die Bewohner des Hauses am westlichen Rand von Westerheim vermutlich widersprechen.

Unsere Versuche, sie für eine Stellungnahme zu erreichen, sind gestern gescheitert.

Von Hohenstadt kommend führt die Schwäbische Albstraße links ab nach Westerheim, rechts führt sie ins Filstal nach Wiesensteig

Von Hohenstadt kommend führt die Schwäbische Albstraße links ab nach Westerheim, rechts führt sie ins Filstal nach Wiesensteig

Gescheitert ist auch der Versuch des Amtsgerichts Ulm, das Haus zu räumen. Am vergangenen Mittwoch standen eine Gerichtsvollzieherin und einige Polizisten nicht nur vor verschlossenen Türen. Auch ein Bauzaun verhinderte den Zugang. Die Aufforderung, das Gebäude zu räumen, verhallte. Die Bewohner behaupteten, bei dem Gebäude handle es sich um eine Botschaft des Staates „Germanitien“, der Räumungstitel des Vollstreckungsgerichts habe daher nichts zu bedeuten.

„Germanitien“ ist, wie nicht nur das Ulmer Amtsgericht feststellt, „ein reines Fantasieprodukt“. In Wahrheit gehe es darum, sich Zahlungspflichten zu entziehen. Im Westerheimer Fall hat der Eigentümer laut Gericht erhebliche Bankschulden nicht beglichen. Die Gläubigerbank habe daraufhin die Zwangsverwaltung der Immobilie erwirkt, um sich mögliche Mieteinnahmen – in dem Haus wurde eine Ferienwohnung angeboten – zu sichern. Zudem strengte die Bank beim Amtsgericht in Ulm ein Verfahren zur Zwangsversteigerung des Hauses an. Der Verkehrswert soll mehr als 400.000 Euro betragen. Das Verfahren ist noch anhängig.

Jörg Erdmannsky - http://www.geratop.de - Botschafter des Staates GERMANITIEN

Jörg Erdmannsky - http://www.geratop.de - Botschafter des Staates GERMANITIEN

Gerichtssprecher Christian Kuse zufolge sind die Ansprüche der Bank berechtigt. Wegen Behinderung der Zwangsverwaltung habe das Amtsgericht die Räumung des Hauses angeordnet. Dagegen habe der Schuldner Beschwerde eingelegt. Das Landgericht Ulm habe sie zurückgewiesen.

Bereits vor einigen Monaten hat der Schuldner versucht, sich und seine Frau im Westerheimer Rathaus abzumelden. Als Ziel soll er „Germanitien“ angegeben haben, als Anschrift aber die Westerheimer Adresse. Wohl um die Ablehnung der Staatsbürgerschaft der BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND GMBH zu demonstrieren, gab er seine Papiere ab.

Das Ehepaar, das schon länger in Westerheim wohnt, hat inzwischen wohl weitere „Germaniter“ bei sich aufgenommen.

Seinen Erst- oder Zweitwohnsitz hat im Rathaus aber noch keiner der Bewohner angemeldet.

Die „Germaniter“ behaupten, über einen „völkerrechtlich anerkannten, souveränen Rechtsstaat“ zu verfügen.

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