Geislinger Alb – Barrikaden gegen den Staat: Germaniter „kämpfen bis zur letzten Patrone gegen das Unrechtsregime“


Park entrance

Image by quinet via Flickr

Bürger des selbst ernannten Staates Germanitien liefern sich in Westerheim einen Machtkampf mit der Exekutive der Bundesrepublik. Sie erkennen in einer Zwangsräumung einen Angriff auf ihren Staat.

Es ist 8 Uhr am Mittwochmorgen, im Westerheimer Meisenweg herrscht friedliche Stille. Auch vor dem Haus Nummer 10 ist es ruhig. Noch.

Jörg Erdmannsky - http://www.geratop.de - Botschafter des Staates GERMANITIEN

Jörg Erdmannsky - http://www.geratop.de - Botschafter des Staates GERMANITIEN

Zwar sind die Hausbesitzer geflüchtet, doch hinter einem Bauzaun, der das Grundstück hermetisch abschirmt, haben sich 17 Personen aus verschiedenen Teilen Deutschlands verbarrikadiert.

Türhohe Tafeln vor dem Hauseingang mit Parolen in großen Lettern weisen auf eine ungewöhnliche Situation hin: Bei dem Haus handelt sich um die Botschaft vom jüngst ausgerufenen Staat Germanitien.

Germaniter flüchten in einen eigenen Staat innerhalb ihres Landes

Germaniter flüchten in einen eigenen Staat innerhalb ihres Landes

Dann rollen auffällig viele Fahrzeuge mehrfach an besagtem Grundstück vorbei. Gegen die Hausbesitzer Uwe und Charlotte Krause läuft ein Zwangsräumungsverfahren und dieses soll am Mittwoch vollstreckt werden.

Was für die Juristen ein üblicher Akt im Rechtsstaat Deutschland ist – nämlich die Vollstreckung dessen, was ein Gericht angeordnet hat -, lassen die Germaniten nicht gelten. Für sie steckt Kalkül dahinter. „Die Zwangsräumung wird als Hintertür benutzt, um die Botschaft zu zerschlagen und uns Germaniter handlungsunfähig zu machen“, sagt Jörg Ermannsky, einer von denen, die den Krauses in dieser Situation beistehen und deren Haus besetzen.

Nach seinen Worten würden die Krauses auch über keinerlei Schriftverkehr in der Angelegenheit verfügen – „und das im angeblichen deutschen Rechtsstaat“. Das wollen die Germaniter ebenfalls nicht auf sich beruhen lassen, „es geht ums Prinzip“.

Plötzlich fährt ein Polizeifahrzeug vor, und alle Germaniter ziehen sich ins Haus zurück. Vor dem Grundstück erscheint ein großes Aufgebot:

  • die Gerichtsvollzieherin,
  • drei zivile Personen sowie
  • drei uniformierte Polizisten,
    • zwei davon in Schutzwesten und mit großer Pistole im Holster,
    • einer filmt die ganze Szenerie.
  • Aus einem weiteren Fahrzeug, welches zuvor mehrmals am Haus vorbeigefahren ist, steigen zwei Männer in Zivil aus, kommunizieren über Headset-Mikrofone.
  • Wortfetzen von rausgehender Fahndung und verstellten Hinterausgängen hängen in der Luft.

Die Gerichtsvollzieherin und ein Polizist, offensichtlich der Verhandlungsführer, fordern von draußen die Krauses auf, herauszukommen. Es bleibt still. „Sind Uwe und Charlotte Krause da?“, hakt der Polizist nach. Wieder Stille – dann die verneinende Antwort. Ob sich eine andere berechtigte Person im Haus aufhalte, wird gefragt: „Sie wissen, heute ist Räumungstermin, sonst müssen wir entsprechende Maßnahmen ergreifen.“

Gelächter schallt aus dem Fenster und die Bemerkung: „Als Bedienstete der BRD haben sie sich auf Botschaftsgelände diplomatisch zu verhalten, der rechtskräftige Titel vom Ulmer Gericht gilt hier nicht, ihre unmittelbaren Vorgesetzten sind die Vereinten Nationen.“

Der Verhandlungsführer ist bemüht, seine Position darzulegen, kommt aber gegen den Sprecher aus dem Haus kaum an – er fällt ihm stets ins Wort. Dennoch erfolgt der Dialog sachlich und ruhig.

Schließlich zieht sich die deutsche Exekutive zurück – mit dem Hinweis, man werde die Zwangsräumung zu gegebener Zeit fortsetzen.

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