Nach dem Platzen der Lolita-Affäre mit 16jähriger Kathies S. aus Korschenbroich: v. Boetticher tritt kräftig nach


Peter Harry Carstensen

Image via Wikipedia

Nach einer Woche Flucht vor der Öffentlichkeit bricht Christian von Boetticher sein Schweigen: Eigene Fehler in der Affäre mit einer Minderjährigen kann er nicht erkennen. Grund für den Rücktritt sei eine Intrige.

Man muss sich die Woche nach seinem Blitzrücktritt wie die Flucht eines Bankräubers vorstellen.

Ständig hat Christian von Boetticher seinen Aufenthaltsort gewechselt, hat mal bei Freunden übernachtet und mal im Hotel – immer darauf bedacht, nicht aufzufallen, um bloß nicht auf seine Liebesbeziehung mit einer 16jährigen angesprochen zu werden, die ihn seine politische Karriere in der Nord-CDU gekostet hat.

Sogar rasieren konnte sich Boetticher nicht. In den Badezimmern seiner Gastgeber fand er nur Nassrasierer vor. Und er rasiert sich immer nur trocken, seit er 16 ist.

Es klingt, als hätte Boetticher einiges mitzuteilen nach dieser Woche, in der er schwieg, aber die halbe Republik über ihn redete. Jetzt will der Politiker, der in der öffentlichen Wahrnehmung nun als Lustmolch abgestempelt ist, wenigstens seine Sicht der Dinge loswerden. Fast vier Seiten räumt ihm die „Bild am Sonntag“ dafür ein – jenes Blatt, das die Lolita-Affäre eine Woche zuvor erst so richtig ins Rollen gebracht hatte. Flankierend gibt es noch ein Interview im „Focus“.
Boetticher nutzt die Plattform, um zu erklären, dass er in der Angelegenheit keine Fehler gemacht hat. Er sei „nicht liebesblind“ gewesen und habe gewusst, dass er mit der Beziehung etwas riskiere. Diese habe „nichts mit einem Lolita-Effekt zu tun“, er sei auch „kein Stalker, der eine 16-Jährige mit Mails bombardiert hat“.
Vielmehr sei ihm „die Frau“ aufgefallen, weil Stefanie aus Korschenbroich als Mitglied der Jungen Union „sehr intelligente Kommentare“ auf seiner Facebook-Seite geschrieben hat, berichtet Boetticher. Daher habe er sie auf Mitte 20 geschätzt und sei „völlig überrascht“ gewesen, als sie ihm ihr wahres Alter verraten habe.
Die Gründe für seinen Rücktritt will Boetticher daher auch nicht in seinem ungewöhnlichen Liebesleben sehen, sondern in einer politischen Intrige. „Ich habe ein großes Maß an Illoyalität erlebt und bin mit Blick auf die eigene Partei schwer enttäuscht“, klagt er – für ihn war es eine „öffentliche Hinrichtung auf Basis moralischer Wertungen“.
Dabei habe er „viele Heuchler und Pharisäer“ erlebt, die „zu Hause eine Familie haben, mit ihrer Sekretärin schlafen und jetzt glauben, sie können mit dem Finger auf mich zeigen“. Auch mit seinem Mentor Peter Harry Carstensen rechnet Boetticher ab.

Es ist das Nachtreten eines Gestrauchelten, der nichts mehr zu verlieren hat.

Der Chef der Nord-CDU Christian von Boetticher musste nach der Beziehung mit einer 16-Jährigen zurücktreten.  Der Politiker wird am Montag seine schleswig-holsteinische Heimat für längere Zeit verlassen. “Ich nehme mir die Zeit um mein Leben neu zu sortieren und über meine Zukunft nachzudenken. Es gibt für mich auch ein Leben nach der Politik”, sagte der 40jährige gegenüber der “Bild am Sonntag”. Boetticher zeigte sich dabei auch von seiner Partei enttäuscht.

Er könne sich vorstellen, als Anwalt zu arbeiten oder in der Wirtschaft, vielleicht auch in den USA, sagt Boetticher. Schleswig-Holstein will er jetzt erst einmal für lange Zeit verlassen: „Ich nehme mir die Zeit, um mein Leben neu zu sortieren und über meine Zukunft nachzudenken.“

Er könne sich vorstellen, als Anwalt zu arbeiten, in die Wirtschaft zu wechseln oder in die USA zu gehen. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Kritisch äußerte sich von Boetticher über seine Parteifreunde: “Ich habe ein großes Maß an Illoyalität erlebt und bin mit Blick auf die eigene Partei schwer enttäuscht.”

Zu seinem langjährigen Mentor, dem Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen, sagte von Boetticher:

“Der hat leider den Eindruck erweckt, ich sei ein politischer Autist, weil ich nicht begriffen hätte, dass meine Zeit als Spitzenkandidat abgelaufen war. Dabei habe ich die Sacher selber in die Hand genommen und rechtzeitig die richtigen Konsequenzen gezogen.”

Für Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel fand von Boetticher positive Worte. Diese habe sich nach seinem Rücktritt bei ihm gemeldet, bestätigte der ehemalige schleswig-holsteinische Landes- und Fraktionsvorsitzende gegenüber der Zeitung: “Die Bundeskanzlerin hat inzwischen mit mir telefoniert. Das habe ich als große Geste empfunden.” Von Boetticher war vor einer Woche als Spitzenkandidat sowie vom Landes- und Fraktionsvorsitz der CDU Schleswig Holstein zurück getreten, nachdem seine bereits beendete Beziehung zu einer 16jährigen bekannt geworden war.

Im ersten Interview nach seinem Rücktritt mit dem Focus beklagte Boetticher die Art der öffentlichen Berichterstattung zutiefst.

“Für mich war das eine öffentliche Hinrichtung auf Basis moralischer Wertungen”, sagte von Boetticher dem Nachrichtenmagazin “Focus”. Er werde “verfolgt wie ein Krimineller, der die Bank of England ausgeraubt hat”, so von Boetticher.

Gegenüber der Bildzeitung spricht der CDU Politiker nun ganz offen über seine Beziehung mit einer 16-Jährigen:  Die junge Frau sei ihm aufgefallen, weil sie als Mitglied der Jungen Union sehr intelligente Kommentare auf seiner Facebook-Seite geschrieben hätte. Wie jung das Mädchen war, das habe Boetticher nich gewusst:

“Ich hatte sie auf Mitte 20 geschätzt und war völlig überrascht, als sie mir ihr Alter verriet.”

Die Mails seien dann immer vertraulicher und privater geworden: “Ich habe da schon bemerkt, dass ich für sie etwas Besonderes empfinde. Dann haben wir uns das erste Mal getroffen und ich habe mich in sie verliebt.”

Allerdings wusste er im Laufe der Zeit sehr wohl, worauf er sich einlässt: “Ich war nicht liebesblind. Ich wusste, dass ich etwas riskiere. Mir war klar: unter 18 ist emotional schwierig.

Aber zu diesem Zeitpunkt war ich weder Landesvorsitzender noch Spitzenkandidat.”

Eine klare Mehrheit der Deutschen begrüßt den Rücktritt des schleswig-holsteinischen CDU-Chefs Christian von Boetticher wegen dessen Liebesbeziehung zu einer 16-Jährigen.

Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für “Bild am Sonntag” halten 62 Prozent der Bundesbürger Boettichers Rücktritt von allen Ämtern für richtig, 26 Prozent für falsch. Ähnlich klar ist das Bild bei den Unions-Anhängern: 57 Prozent finden den Schritt von Boettichers gut, 31 Prozent nicht. Mehr Männer (66 Prozent) als Frauen (58 Prozent) unterstützen den Rücktritt.

Bei der Frage, ob die Liebesbeziehung des 40jährigen Spitzenpolitikers zu der Minderjährigen moralisch verwerflich gewesen sei, ist die Meinung geteilt:

  • 45 Prozent der Deutschen sagen Ja, 45 Prozent Nein (Unions-Wähler: 46 Prozent Ja, 43 Prozent Nein).
  • Eine Mehrheit der Frauen (45:42) und der Jüngeren (58:35) hält die Affäre für verwerflich,
  • bei den Männer (46:48) und den Älteren (27:54) ist es umgekehrt. Emnid befragte am vergangenen Donnerstag insgesamt 502 Personen.
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