Lolitagate – zwischen Brudermord und Judaskuss. Indiskretionen in der Facebook Sex-Affäre Boetticher


Picture of Karl-Theodor Freiherr von und zu Gu...

Image via Wikipedia

Christian von Boettichers Karriere ist zu Ende wegen seiner Affäre mit einer Minderjährigen.
Warum die intimen Details ausgerechnet jetzt an die Öffentlichkeit geraten, bleibt rätselhaft. Möglicherweise hat Boetticher zu vielen Parteifreunden auf die Füße getreten.
Am Tag zwei nach dem Rückzug von Christian von Boetticher ist die CDU in Schleswig-Holstein um Schadenbegrenzung bemüht.
Der neue Mann für die Spitzenkandidatur scheint in Wirtschaftsminister Jost de Jager gefunden. Für den Fraktionsvorsitz hält sich der Wirtschaftspolitiker Hans Jörn Arp bereit.
„Zügig, aber ohne Hektik“ soll die die Neuaufstellung über die Bühne gehen, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul. Entscheidend sei nun, eine Neuaufstellung vorzunehmen, „die sich überzeugend präsentiert“.

Siehe auch:

Kathie S. aus der Schüler-Union kündigt Buch an: „Ich. Seine Geliebte.“

Sex-Affäre mit 16jähriger Kathie S. – von Boetticher bestreitet „Lolita-Effekt“

Lolita-Mutter aus Korschenbroich verbietet Boetticher Kontakt

War Koks im Spiel? Geheime Botschaft an „Christian“? … Ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich recht ungeniert…

Hinter dem Krisenmanagement verbirgt sich allerdings ein großer Teil Ärger und Empörung. Anhänger Boettichers sehen in der Indiskretion ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt den gelungenen Versuch aus den eigenen Reihen, einen umstrittenen Politiker aus dem Weg zu räumen.

Abgang eines politischen Ausnahmetalents: Scheiterte Christian von Boetticher an der Missgunst der Parteifreunde?

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Häufig wird der Vergleich mit Horst Seehofer angestellt. Der CSU-Politiker war in einer außerehelichen Beziehung Vater geworden. Er blieb im politischen Geschäft – nicht zuletzt, weil seine Partei ihn angesichts der damaligen Führungskrise brauchte.Im Norden liegt der Fall anders. Weite Teile der CDU fühlten sich in der Personalentscheidung von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen überrannt, der Boetticher zu seinem Kronprinzen ausgerufen hatte. Hinzu kam, dass man dem 40jährigen mangelnde Ernsthaftigkeit und Integrationsfähigkeit unterstellte. Kritisch wurde registriert, dass Boetticher sich gern nach Sylt zurückzog und mehr via Internet kommunizierte als direkt an der Basis.
Vor diesem Hintergrund war die Liebesbeziehung zu einer Minderjährigen für die Partei nicht tolerabel, mag sie auch rechtlich nicht zu ahnden sein. Die Frage nach der Reife wird gestellt. Ein erwachsener Mann müsse sich seiner Verantwortung gegenüber einer so jungen Person bewusst sein.
Mögen schillernde Politiker weltweit auch immer wieder Beziehungen zu jungen Mädchen gepflegt haben: „Eine Beziehung mit Minderjährigen geht gar nicht“, heißt es aus der CDU-Spitze.
Offiziell hält sich die Parteiführung allerdings mit Kommentaren zu dem Fall Boetticher zurück. Man hätte sich den Auftakt zum Wahlkampf durchaus besser vorstellen können, heißt es. Man spürt die Resignation in der Partei. Die Lage für die CDU war bereits vor der aktuellen Affäre schwierig. Mit dem Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig, der lange als Sprecher von Ex-Finanzminister Peer Steinbrück arbeitete, sieht sie sich einem SPD-Spitzenkandidaten gegenüber, der das Potenzial hat, auch im bürgerlichen Lager zu fischen. Ginge Schleswig-Holstein für die CDU verloren, würde das auf die Gesamtpartei auswirken.
Nicht nur, dass der Einfluss von SPD und Grünen im Bundesrat weiter zunähme. Nur noch vier der 16 Bundesländer wären dann von einer schwarz-gelben Koalition regiert. Dabei ist der Verlust der Regierungsverantwortung in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg noch nicht einmal verschmerzt. Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende käme ein Jahr vor der Bundestagswahl weiter unter Druck.Ein Richtungsstreit in der Union wäre nicht auszuschließen. Zwar kann Angela Merkel nicht für das Privatleben ihrer Parteifreunde in Haftung genommen werden. Sehr wohl aber könnte sich die Frage nach dem von ihr favorisierten Modernisierungskurs stellen; verbunden mit der Diskussion darüber, ob die Partei ihre traditionellen Werte hinreichend betont.
Nach Lolitagate ruhe die Hoffnungen auf Jost de Jager - Christian von Boetticher und Anna Christina Hinze wollen in die USA auswandern

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Hinzukommen könnte eine Debatte um die Koalitionsaussage. Bleibt die FDP weiterhin schwach und erscheint Schwarz-Gelb als Auslaufmodell, wird diskutiert werden, ob die Union im übernächsten Jahr mit einer klaren Botschaft für die Fortsetzung des bürgerlichen Bündnisses ins Rennen gehen soll.
Alle Hoffnung richtet sich darum nun auf den wahrscheinlichen Nachfolger für die Spitzenkandidatur in Schleswig-Holstein, Jost de Jager. Er gilt als bodenständig, verlässlich, überhaupt nicht glamourös, aber als fachlich überaus versiert. Diese Eigenschaften waren ihm lange zum Nachteil ausgelegt worden – vor allem in der Konkurrenz zu Boetticher. Angesichts der aktuellen Ereignisse allerdings bekommt de Jagers Solidität Konjunktur. Aus der SPD ist bereits zu hören, dass er am Ende sogar der schwierigere Kandidat sein könnte, weil er die klassische CDU-Anhängerschaft möglicherweise eher anspricht als der nun zurückgetretene Spitzenkandidat.
Vor diesem Hintergrund gibt man sich in Berlin optimistisch. „Es kommen auch immer wieder neue Talente nach“, heißt es in der Unionsführung. Von zunehmendem Personalmangel unter den jüngeren Führungskräften will man trotz des Rückzugs von Stefan Mappus und Karl-Theodor zu Guttenberg und des Abgangs von Ole von Beust und Christian von Boetticher nicht sprechen. Es gebe eine Reihe von Politikerin mit Potenzial – im Bundeskabinett nicht nur in der Riege der Minister, sondern auch bei den Parlamentarischen Staatssekretären, wie auch in den Ländern. Das Problem könnte am Ende vielleicht sogar eher ein Zuviel als Zuwenig sein. Denn sollte die Union weiter Regierungsverantwortung verlieren, wo will sie dann ihren fähigen Kräften noch eine Perspektive liefern?
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