Die CDU im Norden hat ihr Lolita-Gate – die Geliebte Marie T. sandte brisante Emails an CDU-Chef Peter Harry Carstensen


Peter Harry Carstensen

Image via Wikipedia

Steckt hinter Lolita-Gate eine politische Intrige?

Christian von Boetticher liebte eine 16-Jährige – und musste deshalb seine Karriere in der Nord-CDU opfern. Doch es ist unklar, warum die Affäre ausgerechnet jetzt auffliegt.

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In der vergangenen Woche tauchen in CDU-Kreisen plötzlich Gerüchte über die Liaison auf. Angeblich, das schreibt die „Welt“, kursieren E-Mails, die sich Boetticher und seine Ex-Geliebte geschrieben haben. Carstensen greift wieder zum Telefonhörer, informiert am vorigen Dienstag die Kanzlerin. Es ist der 9. August. Am Freitag ist klar: Boetticher muss sich erklären. Am Sonntag platzt die Bombe. Mehrere Medien machen den Skandal publik. Es ist der letzte Tag der Sommerpause. Die CDU im Norden hat ihr Lolita-Gate.

Die Lolitasex-Affäre im Nobelhotel Steigenberger an der Kö in Düsseldorf - Zwei Tage im Sexrausch auf der Königsallee - Die Korschenbroicher Gymnsiastin Kathie S. aus der Schüler-Union verliebte sich in Christian Ulrik von Boetticher

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Erst Mitte Juli 2011 kommt die Geschichte Peter Harry Carstensen zu Ohren. Der Ministerpräsident ist sofort alarmiert, stellt seinen Ziehsohn zur Rede. Boetticher ist inzwischen Landeschef der CDU und mit seiner langjährigen Freundin Anna Christina Hinze verheiratet. Er soll als Spitzenkandidat bei der vorgezogenen Wahl im Mai 2012 antreten. Boetticher räumt die Beziehung ein. Carstensen rät ihm, die „richtigen Schlüsse“ zu ziehen. Boetticher will, das nimmt er sich vor, in die Offensive gehen, engagiert einen Medienberater. Doch es passiert nichts.

Im Steigenberger Hotel in Düsseldorf kam es zum ersten persönlichen Treffen – und zum ersten Sex

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Fest steht, dass Boetticher im Frühjahr 2010 über Facebook ein Mädchen kennenlernt. Der CDU-Mann ist damals 39, er leitet die Fraktion, gilt als Ziehsohn von Carstensen. Das Mädchen ist 16, kommt aus Nordrhein-Westfalen, engagiert sich in der Jungen Union. Blond, blaue Augen, hübsch. Es beginnt eine Geschichte, die Beobachter an „Lolita“ denken lässt, den berühmten Roman von Vladimir Nabokov. Erwachsener Mann verführt minderjähriges Mädchen. „Es war schlichtweg Liebe“, schluchzt Boetticher am Sonntag, als er sich offenbaren muss.

Im Mai 2010, das erzählt Sarah W. dem Kölner „Express“, macht Boetticher Schluss. Er müsse an seine Karriere denken. Man könne die Beziehung wieder aufnehmen, wenn sie 18 sei. Dann gebe es keine Probleme mehr, ihres Alters wegen. Obwohl beide sogar Hand in Hand durch Hamburg flaniert sind, obwohl Freunde und Familie von der Liaison wissen – die Öffentlichkeit erfährt nichts. Sie bleibt fast anderthalb Jahre lang ahnungslos.

Elmar Wiesendahl, renommierter Politologe aus Hamburg, vermutet hinter der Enthüllung eine „Rettungsaktion“ der Partei. Boetticher sei „nicht mehr tragbar“ gewesen. Zu groß war demnach die Gefahr, dass die Opposition im Wahlkampf den Unionsmann entblößt. Boetticher aber habe nach einem Gespräch mit Landesvater Peter Harry Carstensen „nicht erkannt, welche Dimension sein Fehlverhalten“ hatte. Die Partei habe nicht mehr warten können, bis Boetticher die Initiative ergreift. Im Umfeld des Ex-Kandidaten raunt man sich längst das Wort „Intrige“ zu. Der Zeitpunkt sei kein Zufall.

Offiziell will man in der CDU nichts vom politischen Dolchstoß gegen Boetticher wissen. „Eine gezielte Intrige schließe ich aus“, sagte CDU-Landesvize Ingbert Liebing der „Welt“. Carstensen betonte im NDR, von Boetticher habe seine Entscheidung selbst getroffen. Zugleich machte der Ministerpräsident klar, dass er den Schritt begrüße. Wer ein Spitzenamt anstrebe, müsse besondere moralische Ansprüche erfüllen. Christian von Boetticher wurde diesen Ansprüchen nicht gerecht.

Christian von Boetticher schweigt. Seit seiner tränenreichen Liebesbeichte am Sonntagabend meidet der gefallene CDU-Star in Schleswig-Holstein die Mikrofone. Per E-Mail teilte er den Unions-Abgeordneten am Montag mit, er lege den Fraktionsvorsitz nieder. „Die öffentliche Jagd auf mich“, schrieb er, mache es ihm „unmöglich“, persönlich den Schritt zu erklären.

Nach seinem Rückzug von Parteivorsitz und Spitzenkandidatur bleibt Boetticher nur einfaches Mitglied im Kieler Landtag. Spektakulärer ist selten eine politische Karriere in die Brüche gegangen. Die Umstände bieten Stoff für einen Politkrimi, dessen Ende noch nicht absehbar ist. Nur schwer lässt sich ein Blick durch den Schleier erhaschen, der die Geschichte des Sturzes umhüllt.

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