Leverkusen aktuell: „Schmunzelsteine“ sorgen für Ärger


Die gut gemeinte karnevalistische Aktion der Leichlinger „Schmunzelsteine“ sorgt aktuell für Ärger. Der Grund: Die Form der Leichlinger Messing-Steine und ihre Platzierung im Pflaster ähneln sehr stark den so genannten „Stolpersteinen“, die an die gestorbenen Juden dauerhaft erinnern. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Berlin, Frau Charlotte Knobloch, hat bereits gegen die Stolpersteine protestiert: „Negativ beurteilt auch Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, diese Form des Gedenkens. … Wiederholt bezeichnete Knobloch es als „unerträglich“, die Namen von gestorbenen Juden auf Tafeln zu lesen, die in den Boden eingelassen sind …“

Recht ähnlich: Stolperstein auf der Kölner Straße in Opladen . . .

Größer könnte der Kontrast tatsächlich nicht sein: Hier die Ehrung von verdienstvollen Jecken, dort das Gedenken an verstorbene Juden. Die Leichlinger „Schmunzelstein“-Aktion wurde von den Leverkusenen Juden als „undenkbar große Geschmacklosigkeit“ beschrieben. Es könne sich nur um einen schlechten Scherz handeln.

Die Idee für die „Schmunzelsteine“ stammt von den Ehrensenatoren des Festkomitees Leichlinger Karneval (FLK). Sie wollen mit den närrischen Bodensteinen am Friedrich-Überweg-Platz an verdiente Karnevalisten erinnern, die viele Leute zum Lachen gebracht haben. Zum Gedenken an den tödlich verunglückten Prinzen Klaus Schneider wurde schon 2004 im Stadtpark ein Baum gesetzt samt Erinnerungsstein, sagte gestern FLK-Präsident Willi Kallert. Er kennt die auch in Leverkusen gelegten Stolpersteine nicht aus eigener Anschauung, weiß aber um ihre Existenz.

Dass die Leichlinger Karnevalisten mit ihren Schmunzelsteinen die Aktion „Stolpersteine“ entwürdigen wollten, sei absolut absurd, sagte Kallert. Auch SPD-Ratsherr und FLK-Ehrensenator Frank Steffes wehrt solche Unterstellungen ab: Die Leichlinger Erinnerungsaktion sei eine völlig andere Sache und mit dem Demnig-Projekt keineswegs zu vergleichen. Wieso sollte ein solcher Mann auf die Idee kommen, Nazi-Opfer zu verhöhnen?

Der Kölner Künstler und Steuerhinterzieher Gunter Demnig hat seit 1995 in Deutschland, Österreich und Ungarn 13.000 Stolpersteine verlegt: In seiner Heimatstadt Köln fast 1.600 Messingsteine. In Leverkusen wurde das Verlegen von 10×10 Zentimeter großen „Gedenksteinen“ von Schülern ermöglicht – etwa vor der Aloysius-Kapelle in Opladen und im weiteren Verlauf der Kölner Straße.

In Köln erinnert ein Stolperstein an Erich Sander, den Sohn des Foto-Pioniers August Sander. Im NS-Dokumentationszentrum in der Domstadt wurde im vergangenen Jahr die Ausstellung „Stolpersteine – Gunter Demnig und sein Projekt“ gezeigt.

Gunter Demnig wird wegen Steuerhinterziehung beschuldigt, da er auf seinen Rechnungen nur 7% Mehrwertsteuer für das Finanzamt eintreiben wollte. Das war den Kölner Beamten nicht jeckig genug. Für seine Schmunzelsteine wollen sie 19% berechnet wissen. Schließlich müßten sie für die Brötchen und den Kaffee in der Finanzamtskantine ebenfalls 19% Mehrwertsteuer berappen.

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